Die Standardbehandlung besteht immer aus einer maximalen operativen Tumorentfernung aller tumorösen Veränderungen, von Gebärmutter , Eileitern, Eierstöcken, der großen Fettschürze im Bauchraum , von Lymphknoten im kleinen Becken und hinter dem Bauchraum.
Nahezu ausnahmslos wir diese mit einer Chemotherapie im Anschluss kombiniert. Eine Ausnahme bilden die absoluten Frühstadien ohne Risikofaktoren (Stadium Ia, N0, G1).
Die Operation gilt bei Verdacht auf Ovarialkarzinom als conditio sine qua non. Somit stellt sie eine unabdingbare Therapiemethode dar. Dieser wichtige Behandlungsschritt dient anhand der Untersuchung entfernter Lymphknoten der Sicherung der Diagnose sowie der Festlegung der Tumorausdehnung. Zudem kann durch eine Gewebeuntersuchung das Tumorstadium genauestens bestimmt werden. Desweiteren ermöglicht die Operation die maximale Tumorreduktion bzw. Tumorentfernung. Je kleiner der verbleibende Tumorrest ist, desto besser ist die Prognose.
Ein optimaler Behandlungserfolg hängt maßgeblich auf einer vollständigen Entfernung des gesamten Tumorgewebes ab. An der Frauenklinik Tübingen wird die Operation bei Eierstockkrebs/Ovarialkarzinom nach einem auf vielen Erfahrungen beruhenden Konzept durchgeführt.
Auch wenn der Tumor operiert ist, verbleiben bei Eierstockkrebs oftmals bösartige Zellen, die zwar nicht sichtbar sind, aber Ausgangspunkt für einen Rückfall (Rezidiv) sein können. Der Therapiestandard an der Frauenklinik Tübingen sieht daher im Anschluss an die Operation eine Therapie mit zellwachstumshemmenden Medikamenten, sogenannten Zytostatika vor. Zytostatika besitzen das Potential, Zellen in ihrem Wachstum zu hemmen und insbesondere schnellwachsende Zellen abzutöten. Da der Eierstockkrebs sehr chemosensibel ist, d.h. sehr gut auf eine Chemotherapie anspricht, verringert eine Chemotherapie das Rückfallrisiko und steigert die Heilungschancen erheblich.
Die Frauenklinik Tübingen vertritt folgendes Konzept zur Chemotherapie, welches auf langjährigen Studien basiert:
Der Beginn der Chemotherapie erfolgt in der Regel innerhalb des 4-wöchigen Zeitintervalls im Anschluss an die Operation. Als Standardbehandlung gilt eine Kombinationstherapie aus dem Spindelgift aus der pazifischen Eibe „Taxol“ in Kombination mit „Carboplatin“. Diese hat sich nach erfolgreichen Studienergebnissen in Europa und Amerika als postoperativer Therapiestandard des Ovarialkarzinoms bewährt. Durch Ergänzung von Supportiva wird die Verträglichkeit der Medikamente zudem optimiert.
Die Dosierung wird individuell auf die Körpergröße und das Gewicht der Patientin sowie die Nierenausscheidung abgestimmt. Die Chemotherapie wird in regelmäßigen Zyklen über die Vene , bei schlechten Venenverhältnissen über ein Portsystem verabreicht. Dies gewährleistet das Erreichen aller Organsysteme . In Abhängigkeit von der eintretenden Wirkung wird die Anzahl der Therapieeinheiten individuell definiert, als Standard gelten derzeit bei Verträglichkeit sechs Therapieeinheiten. Im Rahmen von klinischen Studien besteht die Möglichkeit diese Standardtherapie weiter zu optimieren. Dafür muss aber überprüft werden, ob die einzelne Patientin für eine weitere Spezialbehandlung geeignet ist.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen betreffen daher insbesondere Organsysteme mit Zellen hoher Zellteilungsrate. Potentiell können dies sein:
1. Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Schleimhautreizung, Veränderungen des Geschmacksempfindens, Appetitlosigkeit.
2. Haut und Haare: Rötung der Haut, Veränderungen der Nägel, Haarausfall.
3. Nerven-und Blutsystem: Kribbeln in den Händen oder Füßen, depressive Verstimmungen; Blutarmut, Erniedrigung der weißen Blutkörperchen und Blutplättchen.
Diese Nebenwirkungen treten in der Regel temporär auf und können anhand verschiedener Medikamenten abgeschwächt werden. Durch unterstützende Medikamente sind die heutigen Chemotherapien sehr verträglich geworden.
Zur effektiven Behandlung der Nebenwirkung ist es dringend erforderlich, den Arzt über auftretende Beschwerden jeglicher Art zu informieren.
In einer speziell zur Verabreichung von krebswirksamen Medikamenten eingerichteten Tagesklinik werden diese Chemotherapeutika unter Aufsicht von speziell ausgebildeten Ärzten und Pflegepersonal verabreicht.
Einige Patientinnen erleiden trotz initialem zeitweiligen Verschwinden aller Tumoranzeichen einen Rückfall (Rezidiv). Jedoch erfolgt die Therapie des Rezidivs oft im Rahmen einer guten Lebensqualität. An der Universitätsfrauenklinik Tübingen wird die Indikation zu einer Operation in einem erfahrenen Ärzteteam von Gynäkologen und Chirurgen gemeinsam mit der Patientin abgeklärt. Für die Rezidivbehandlung gibt es keine Standardchemotherapie. Wichtig ist allerdings die Unterscheidung ob es sich um einen Tumor handelt, der primär auf eine platinhaltige Chemotherapie angesprochen hat oder nicht.
Neben der Wirksamkeit der Therapie muss die Lebensqualität besonders berücksichtigt werden. Sinnvoll ist hierbei eine Behandlung der Patientinnen in klinischen Studien, um die Datenlage für die Patientinnen zu verbessern und bereits erreichte Fortschritte weiter zu optimieren.
Klinische Studien dienen zusätzlich zum Therapieziel den Tumor zum Verschwinden zu bringen
sowie der Klärung gezielter Fragestellungen hinsichtlich einer optimalen Therapie. Das aus diesen Studien ermittelte Wissen wird international veröffentlicht, damit alle betroffenen Frauen davon profitieren können. Patientinnen in klinischen Studien erhalten die neuestens Therapiekonzepte unter intensiver Betreuung und besonderer Überwachung.
Die Therapieerfolge im Rahmen des Ovarialkarzinoms konnten auf der Grundlage mehrerer Studien enorm gesteigert werden. Eine weiterführende Optimierung ist Ziel aktueller Studien sowie intensiver Forschung. Der Fokus liegt hierbei insbesondere auf neuartigen Immuntherapien und Chemotherapieregimes.
An der Universitätsfrauenklinik Tübingen ist im Rahmen einer aktuellen Studie Ovar 16, wenn erwünscht, eine Teilnahme möglich.