Social Freezing bei unerfülltem Kinderwunsch

Später Kinderwunsch nimmt zu! Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich der Kinderwunsch in Deutschland, aber auch in anderen Industrienationen in eine spätere Lebensphase verschoben. Bei Geburt ihres ersten Kindes befinden sich Frauen zunehmend in der Lebensphase zwischen 30 und Anfang 40. Mit zunehmendem Lebensalter der Frau nimmt allerdings sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Eizellen ab und diese Faktoren führen zur Abnahme der Chancen auf eine Schwangerschaft. Doch durch die sogenannte "Social Freezing"-Methode kann der späte Kinderwunsch erfüllt werden. 

Neue Einfriertechnik: Durch die Entwicklung der Vitrifikation als Einfrierverfahren können nun auch unbefruchtete Eizellen effektiv eingefroren werden. Das vorsorgliche Konservieren von unbefruchteten Eizellen wurde bisher nur zum Erhalt der Fruchtbarkeit vor einer zytotoxischen Therapie bei einer Krebserkrankung und im Ausland im Rahmen von Eizell-Spende-Programmen erfolgreich eingesetzt. „Social Freezing“: Diese Maßnahme wird nun zunehmend aus nicht-medizinischen Gründen als sogenanntes „Social Freezing“ nachgefragt.

Durch eine hormonelle Stimulation kommt es zur Reifung von Eizellbläschen (Follikel), aus diesen werden die Eizellen mittels vaginaler Follikelpunktion gewonnen. Die Anzahl der gewonnenen Eizellen ist abhängig von der Eizellreserve (ovariellen Reserve) und von der gewählten Stimulationsdosis. Gegebenenfalls müssen mehrere Stimulationsbehandlungen durchgeführt werden, um eine ausreichende Anzahl an unbefruchteten Eizellen gewinnen zu können.

Die Überlebensrate der nach dieser Methode (Vitrifikation) eingefrorenen und wieder aufgetauten unbefruchteten Eizellen liegt bei ca. 80%, allerdings müssen diese Eizellen dann mittels der künstlichen Befruchtung durch direktes Einspritzen eines Spermiums (der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion) befruchtet werden.

Die Befruchtungsrate liegt bei ca. 70–75%. Die Dauer der Lagerung zwischen Einfrier- und Auftauvorgang scheint keine Rolle zu spielen. Die Schwangerschaftschance pro aufgetauter und mit ICSI behandelter Eizelle liegt in Abhängigkeit vom Alter der Patientin zum Zeitpunkt des Einfrierens der Eizellen zwischen 12 % bei Patientinnen unter 34 Jahren und ca. 7% bei Patientinnen über 34 und 39 Jahren.

Therapie nach individueller Beratung: Frauen, die sich für diese Maßnahme interessieren, müssen ausführlich über die Stimulationsrisiken, die Schwangerschaftschancen und die Kosten dieser Maßnahme aufgeklärt werden. Auch sollte eine Verwendung der Eizellen mit dem Ziel der Schwangerschaft nach dem 50. Lebensjahr vermieden werden, da die mütterlichen und kindlichen Schwangerschaftsrisiken, wie z.B. Frühgeburten, niedrige Geburtsgewichte, Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck bei Schwangerschaften in „höherem Alter“ deutlich erhöht sind.