Ratgeber zum Wochenbett und der Zeit danach

Liebe Wöchnerin, in den letzten Tagen haben Sie zahlreiche Informationen für die erste Zeit mit Ihrem Kind erhalten. Wir wollen Sie gut auf die Entlassung und auf die eigene Mutter-Kind-Nachsorge vorbereiten und haben hier die wichtigen Gesichtspunkte des Wochenbettes zusammengefasst.
Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kind einen guten Start zu Hause und viel Freude bei Nachsorge.
Ihr
Team der Geburtshilfe

Wochenbett
  1. Körperliche Veränderungen

Verhütung in der Stillzeit

Stillen schützt nicht sicher vor einer Empfängnis. Mit der hormonellen Umstellung bereitet sich der Körper auf einen neuen Eisprung vor, der häufig vor der ersten Regelblutung erfolgt. Am besten besprechen Sie die für Sie geeignete Verhütungsmethode bei der ärztlichen Abschlussuntersuchung. 4-6 Wochen nach der Geburt.

  1. Stillzeit

Das Stillen ist ein dynamischer Prozess, der sich der Entwicklung des Kindes anpasst. Nach dem Milcheinschuss gilt in den Abständen zu stillen, die durch den Hunger des Kindes bedingt die Milchmenge regeln. Kinder trinken unterschiedlich lang. Ein ausschließlich gestilltes Kind gedeiht, sofern es mindestens achtmal am Tag trinkt, ca. fünfmal eine nasse Windel hat und im ersten Lebensmonat vier bis fünfmal am Tag Stuhlgang. Dieser verändert Farbe und Konsistenz laufend.
Muttermilchstuhlgang kann sehr dünnflüssig und nach sechs bis acht Wochen kann die Stuhlentleerung auch seltener sein, eventuell nur einmal in der Woche. Manche Kinder scheinen einmal am Tag zu „dinieren“. Dabei trinken die Kinder, meist in den Abendstunden, kurz hintereinander immer wieder an der Brust. Dasselbe Trinkverhalten tritt auch während der Wachstumsschübe Ihres Kindes auf. Ihr Kind sorgt durch häufiges Stimulieren an der Brust die Milchsteigerung. Besonders hilfreich sind ein paar ruhige Tage und Vertrauen in diesen wiederkehrenden physiologischen Prozess (ca 8.-10.Lebenstag, 4.–6.Lebenswoche, Übergang vom 3. in den 4.Lebensmonat). Wachstumsphasen bedeuten nicht, dass Ihre Milchmenge dem Kind nicht ausreicht. Die durchschnittliche zu erwartende Gewichtszunahme bei gestillten Kindes zeigt Ihnen die anschließende Tabelle.

Gewichtszunahme

Alter

Durchschnittliche, wöchentliche Gewichtszunahme

0-2 Monate

170 – 330 g

2-4 Monate

110 – 330 g

4-6 Monate

70 – 140 g

6 – 12 Monate

40 – 110 g

Sollten Sie Babynahrung nutzen, sprechen Sie unser Fachpersonal noch einmal bei der Entlassung auf den richtigen Ernährungsplan für Ihr Kind an.

  1. Ernährung in der Stillzeit

Ihre Ernährung in der Stillzeit sollte vielseitig, vitamin- und ballaststoffreich sein. Das einzige Verbot gilt für Alkohol. Sollten Sie doch einmal den Wunsch nach einem Glas Alkohol haben, dann können Sie sich an folgender Skala orientieren. Dass die Ernährung der Mutter Blähungen beim Kind verursacht oder es wund werden lässt, ist nach neueren Erkenntnissen nicht uneingeschränkt richtig. Blähungen gehören zur menschlichen Verdauung und können nicht vermieden werden. Sie Können jedoch durch entspannende Maßnahmen, geeignete Lagerung und ausreichend Bewegung behandelt werden. Sollte Ihr Kind wund sein, kann dies an einer besonders empfindlichen Haut oder zusätzlicher Nahrung neben Muttermilch liegen. Hier helfen zunächst einige Muttermilchtropfen auf der Wundstelle, Licht und Luft am besten.

  1. Hinweise

Sollten Sie weitere Fragen haben, scheuen Sie sich nicht, diese bei den vielen Kontakten mit unserem pflegerischen und ärztlichen Team zu stellen. Auch im Internet finden Sie viele Informationen. Beachten Sie dabei bitte, dass die Qualifikation des Autors und seiner Quellen im Internet oft nicht feststellbar ist und Informationen manchmal verfälscht wiedergegeben werden. Um Ihre individuellen Fragen zu beantworten, hat sich in jedem Fall der direkte Kontakt zu einer freiberuflichen Hebamme im Rahmen der Nachsorge bewährt. Analog der Betreuung in der Schwangerschaft stehen Ihnen Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt im Wochenbett als wichtige Ansprechpartner zur Seite.

Die Zeit danach

Tipps für die Mutter

Die Brust ist überwärmt, druckempfindlich und/oder schmerzhaft

Ihre Brust ist lokal heiß, schmerzhaft und eventuell gerötet. Dann ist die Milch an dieser Stelle gestaut und es könnte sich eine Brustentzündung entwickeln. Setzen Sie sich mit Ihrer Hebamme in Verbindung. Bis die Hebamme kommt, können sie selbst mit „Erster Hilfe“ beginnen. In den nächsten 24 Stunden die betroffene Brustseite immer zuerst anlegen. Davor können Sie die Brust wärmen (warmes feuchtes Tuch/sauberer Waschlappen) auflegen. Danach die Brustmassage nach Marmèt durchführen. Die Massage soll immer sanft bleiben, niemals mit großem Druck massieren. Das Kind ausdauernd trinken lassen (20-30 Minuten). Tun Sie dies in ruhiger, bequemer Position. Nehmen Sie sich Zeit und versuchen dabei zu entspannen. Dies begünstigt einen guten Milchfluss. Die andere Brust währenddessen hängen lassen. Dabei beginnt diese meist zu fließen. Diese Entlastung geschieht nebenbei und wird von den Frauen als Erleichterung empfunden. Durch das Einsetzen einer Milchauffangschale kann dieser Prozess unterstützt werden. Nach dem Anlegen kann die Brust rundherum mit einem sauberen nasskalten Tuch (Geschirrtuch) gekühlt werden.

Bei Schmerzen beim Anlegen können Sie ca 15 Minuten vor dem Anlegen ein Schmerzmittel einnehmen. Medikamente sind auch bei Kopfschmerzen und Fieber möglich. Bedenken Sie, dass Paracetamol das Fieber vorübergehend senkt und eine Temperaturkontrolle erst nach Abklingen des Medikamentes (ca 3-4 Stunden nach Einnahme) aussagekräftig ist.

Auf das gerötete Areal können Sie nach dem Stillen zur Kühlung einen Quarkwickel auflegen, oder den Quark direkt auf die Brust auftragen und mit einem Tuch (Einmaltuch) abdecken. Nach Möglichkeit ruhen und nach etwa 30 Minuten den Wickel abnehmen oder mit kühlem Wasser abspülen, da der erwärmte Wickel die Brust erhitzt. Gegebenenfalls den Wickel wiederholen. Während eines Schüttelfrostes ist es ratsam mit dem Wickel noch ab zu warten.

Tipps für die Pflege des Kindes

Sicherheit

Wie wir Erwachsenen ist Ihr Kind unruhiger, wenn es die Welt um sich herum nicht einschätzen kann.
Kann sich das Kind jedoch darauf verlassen, dass an bestimmten Orten bestimmte Dinge mit bestimmten Menschen passieren, dann kann es sich darauf einstellen und wird gelassener.

Handling Bewegung ist wichtig für Körper und Seele – sie fördert die Verdauung, stärkt die Muskulatur und gibt dem Kind Selbstbewusstsein und Orientierung in der Welt. Wir unterstützen das Kind in seiner natürlichen Entwicklung und geben ihm Sicherheit, wenn wir es alle Bewegungen selbst machen lassen, die es schon kann, so z.B. beim Hochnehmen über die Seite, wo es seinen Kopf hält und den Rumpf anspannt. Auch beim Wickeln und Waschen geben wir dem Kind die Gelegenheit seine eigenen Muskeln einzusetzen. Das Liegen auf einer Fläche in Rücken- oder Bauchlage ohne zuviel baumelndes Spielzeug gibt dem Kind die Möglichkeit, sich selbst aktiv zu erleben.

Häufiges Weinen

Sollten Sie den Eindruck haben, Ihr Kind schreit zu viel oder unaufhörlich, ist es hilfreich, die tatsächlichen Schlaf-, Wach, und Schreiphasen aufzuschreiben. Manchmal entdecken Eltern dabei, dass das Kind überraschend viele Ruhephasen hat. Erfahrungsgemäß dauert es einige Wochen, bis Eltern und Säuglinge ihren Rhythmus einander angepasst haben.
Kontaktieren Sie Ihre Hebamme oder den Kinderarzt, wenn Sie nicht mehr zur Ruhe kommen, oder das Kind mehrere Stunden am Stück schreit. In seltenen Fällen verbirgt sich ein organisches Problem hinter dem Schreien.

Blähungen

Die gefürchteten so genannten Blähungen gehören zum Leben von 0 bis 99 Jahren; das Neugeborene muss sich allerdings erst daran gewöhnen. Mit der Ernährung der Mutter hat dies nichts zu tun. Muttermilch ist immer gut verträglich.
Allerdings reagiert das Kind wie wir Erwachsenen mit einer gestörten Verdauung auf Stress wie Erschrecken, neue Umgebung oder viele unbekannte Menschen.

Je ruhiger Sie bleiben, desto entspannter bleibt Ihr Kind und desto schneller wird es sich beruhigen. Sanfte Massage des ganzen Körpers, Wärme und besonders Kuscheln hilft. Die so genannte Fliegerhaltung wird von vielen Babys geliebt. Es liegt mit seinem Bauch auf Ihrem Unterarm und sein Köpfchen leicht erhöht in Ihrer Ellbogengrube.

Vorbeugend wirken ausreichend Bewegung, Vermeidung von Stresssituationen fürs Kind und eine gewisse Regelmäßigkeit im Alltag.

Massageöle (mit Fenchel, Kümmel, Anis) können kurzfristig beruhigen, beheben jedoch nicht die Ursache und sollten nicht dauerhaft angewendet werden. Die Nationale Stillkommission empfiehlt auf Fencheltee aufgrund des allergenen Potentials zu verzichten.

Die Gabe von Sab simplex Tropfen erleichtert das Abgeben von Luft aus dem Darm. sowie das Aufstoßen nach der Mahlzeit (hiervon sind fast ausschließlich nur Flaschenkinder betroffen).

Wunder Po

Die Haut von Babys ist deutlich dünner und empfindlicher als bei Erwachsenen. Ein roter Po kann deshalb auch bei bester Pflege vorkommen. Wechseln Sie die Windel mindestens sechs Mal in 24 Stunden. Für den Po gilt: am besten hilft Licht und Luft! Planen Sie vorbeugend ausreichend Zeit ein, in der das Kind ohne Windel strampeln kann. Auf einer Unterlage im warmen Zimmer freut es sich über ausgiebiges Strampeln. Vermeiden Sie Feuchttücher oder Ölpflegetücher zur Reinigung. Hier ist warmes Wasser ohne Zusatz völlig ausreichend.

Studien belegen, dass die Neigung zum Wundwerden individuell je nach Hauttyp verschieden und vor allem unabhängig von der Ernährung der Mutter ist. Lassen Sie sich also nicht den Appetit verderben. Ist der Po mehr als nur gerötet, helfen in der Regel vorsichtiges Abwaschen mit Wasser und an-schließendes ausreichendes trocknen lassen. Pflegend und schmerzlindernd sind Muttermilch und Salben mit Dexpanthenol oder Zink (Babywundsalbe). Falls sich die Rötung ausbreitet oder nach drei bis vier Tagen nicht besser geworden ist, fragen Sie bitte Ihre Hebamme oder Ihre/n Kinderärztin/arzt um Rat. Ausgeprägte nässende Ekzeme sollten Hebamme oder Kinderarzt beurteilen, ein Soor (Pilzin-fektion) könnte die Ursache sein. Das Wechseln der Windelfirma kann Wundsein reduzieren.

Schmerzen

Sie erkennen meist an Gesichtsausdruck und Stimmlage deutlich, wenn Ihr Kind wirklich Schmerzen hat. Dann sollten Sie Hebamme oder Kinderarzt kontaktieren.
Ohrenschmerzen können bleibende Schäden hinterlassen und sind sehr traumatisch. Vorbeugend können Sie darauf achten, dass die Nase frei ist, und bei Erkältung regelmäßig mit Kochsalzlösung aus der Apotheke gespült oder auch mit Nasentropfen für Säuglinge behandelt wird.

Erkältung/Schnupfen

Kinder benötigen zum Trinken und Schlafen eine freie Nase. Gereizte Schleimhäute, bedingt durch trockene Raumluft, führen zu denselben Problemen wie Schnupfen. Spülen der Nase mit Kochsalzlösung befreit die Nase und schützt dadurch Ohren und Augen vor Infektionen.
Abschwellende Ohren- und Nasentropfen sind in der Apotheke erhältlich. Dies erübrigt das Anwenden von Ohrentropfen wovon dringend abzuraten ist (Gefahr der Entzündung des Gehörganges). Auch verklebte Augen können mit isotonischer Kochsalzlösung oder Euphrasia Augentropfen ausgespült und mit sauberen, sehr weichen Papiertüchern abgewischt werden.
Eine Erkältung des Säuglings erfordert den Besuch beim Kinderarzt!
Achtung: Mentholhaltige Medikamente (Eukalyptus, Kampfer, Teebaumöl) können beim Kleinkind atemlähmend wirken und sind deshalb verboten.

Unklarheit/Unsicherheit

Für Fragen und Abklärung ist Ihr Kinderarzt jederzeit ein kompetenter Ansprechpartner.

Flyer Mutter-Kind-Gruppen

Mutter-Kind Gruppen

In den Kindern liegt die Zukunft.
Zum Flyer