Ratgeber Jugendgynäkologie

Verhütung - Natürliche Methoden

Beobachten der natürlichen Körpervorgänge- mit der NFP

Wirkungsweise
„NFP“ steht für „Natürliche Familienplanung“ und wird auch als symptothermale und natürliche Methode bezeichnet.
Durch Beobachtung der natürlichen Vorgänge im weiblichen Körper werden die fruchtbaren Tage bestimmt und an diesen Tagen entweder auf Sex verzichtet oder mir einer zusätzlichen Verhütungsmethode verhütet, z. B. mit dem Kondom. Die Aufwachtemperatur, auch Basaltemperatur, ist in der ersten Zyklushälfte vom Beginn der Monatsblutung bis zum Eisprung etwas niedriger als in der zweiten Zyklushälfte. Nach dem Eisprung steigt sie um etwa zwei Zehntel Grad Celsius an und bleibt bis zur nächsten Regelblutung auf diesem höheren Niveau.
Dieses Wissen bei der natürlichen Methode kann man nutzen um die fruchtbaren Tage zu ermitteln - doch durch weitere Beobachtungen kann man noch mehr Sicherheit in deren Bestimmung gewinnen: Der Schleim, der im Gebärmutterhals gebildet wird und am Scheideneingang zu fühlen und zu sehen ist, der Zervixschleim, verändert sich im Laufe des Zyklus. Zu Beginn des Zyklus fühlt sich der Scheideneingang meist trocken an- einige Tage vor dem Eisprung kann der Zervixschleim dann gefühlt und gesehen werden. Er ist zunächst milchig trüb und wird in den nächsten Tagen immer klarer. Außerdem wechselt seine Beschaffenheit von klebrig und zäh nach flüssig und fadenziehend- man sagt auch „spinnbar wie Eiweiß“. Beim Vorhandensein von flüssigem und spinnbarem Zervixschleim fühlt sich der Scheideneingang feucht an- dieser „Schleimhöhepunkt“ ist ein Zeichen dafür, dass die Frau im Moment sehr fruchtbar ist und somit kann man wiederum die fruchtbaren Tage abschätzen.
Auch der Muttermund verändert sich im Laufe des weiblichen Zyklus. Direkt nach der Menstruation fühlt er sich fest an, etwa wie die Nasenspitze, ist geschlossen und ragt tief in die Scheide hinein. In der fruchtbaren Zeit ist er weich, etwa wie die Lippe, leicht geöffnet, und verlagert sich höher in die Scheide, kommt also dem Eingang entgegen- das macht Sinn, denn so kann bei einer möglichen Ejakulation in der Scheide die Samenflüssigkeit noch leichter in die Gebärmutter gelangen.
Die Frau kann bei der täglichen Selbstuntersuchung mit dem Finger diese Veränderungen erkennen und so auf eine dritte Art und Weise ihre Fruchtbarkeit einschätzen. Diese Drei „Ebenen der Fruchtbarkeit“ werden in einer Art Tagebuch in Tabellenform gesammelt und durch leicht erlernbare Rechnungen ausgewertet. Dabei ist es wichtig, wirklich zwei oder alle drei Ebenen in die Berechnungen mit einzubeziehen- betrachtet man nur eine Ebene ist die Sicherheit signifikant herabgesetzt!

Anwendung
Durch die Auswertung der Körperzeichen können bei dieser natürlichen Methode die fruchtbaren Tage im Zyklus bestimmt werden. Die Frau ist biologisch nur etwa 6 bis 7 Tage pro Zyklus fruchtbar- diese Tage können jedoch mit keiner Methode ganz exakt bestimmt werden. Mit der NFP können sie jedoch auf 12-14 Tage eingegrenzt werden. An diesen Tagen sollte dann kein Geschlechtsverkehr stattfinden oder alternativ ein zusätzliches Verhütungsmittel wie z. B. das Kondom angewendet werden.

Sicherheit
Konsequent angewendet, ist diese Methode so zuverlässig wie z.B. die Verhütung mit der Pille. Der Pearl Index liegt bei 0,3.

Vorteile
Bei aufkommendem Kinderwunsch kann der Befruchtung gezielt nachgeholfen werden durch Nutzung der Methode um die fruchtbaren Tage zu errechnen. Der große Vorteil liegt jedoch darin, dass diese Methode die Möglichkeit bietet, die eigene Fruchtbarkeit wahrzunehmen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl und gegenseitige Verständnis des Paares kann dadurch gestärkt werden. Die Frau lebt mit dem Rhythmus ihrer natürlichen Körpervorgänge- es ist kein Eingriff in diese nötig. Diese Verhütungsmethode hilft, ein natürliches und entspanntes Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln.Bei vielen Frauen pendelt sich sogar ein zuvor unregelmäßiger Zyklus unter dem Einfluss der Selbstbeobachtung ein. Es gibt keine Nebenwirkungen.

Nachteile
Die Frau muss sich intensiv mit dieser Methode befassen. Beide Partner müssen akzeptieren, dass es Tage ohne Sex gibt oder das an diesen Tagen zu einem zusätzlichen Verhütungsmittel gegriffen werden muss was ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein erfordert.
Eine Lernphase von etwa drei Menstruationszyklen ist einzuplanen. Schwierigkeiten bereitet die NFP wenn kein Eisprung stattfindet. Das bedeutet unter Umständen Enthaltsamkeit über eine lange Strecke. Solche Zeiten ohne regelmäßigen Eisprung können insbesondere während der Stillzeiten, in der Pubertät, den Wechseljahren, in Stresssituationen oder bei Erkrankungen auftreten. Deshalb ist diese Methode für Frauen in solchen Situationen nur bedingt geeignet.
Sie kann jedoch auch dadurch, dass der Eisprung nicht mehr stattfindet, weil der Körper es nicht für gut erachtet in der im Moment so schwächlichen Phase eine Schwangerschaft zu erlangen, der Frau auch im Sinne eines „Vorsicht! Du tust deinem Körper nicht gut! Er ist unter Stress!“- Aufrufes zu einem bewussteren und vor allem gesunderen Lebensstil verhelfen.

Risiken
Einige Faktoren können zu einer Erhöhung der Basaltemperatur führen, die nicht mit dem Eisprung in Zusammenhang steht. Dazu gehören die Messung zu einem späteren Zeitpunkt als direkt nach dem Aufstehen, Alkoholgenuss und spätes Essen am Vorabend, Erkrankungen, Medikamente, Stress, Zeitverschiebung, Klimawechsel und ein Wechsel des Thermometers innerhalb eines Zyklus. Diese Faktoren können jedoch zusätzlich auf dem Tabellenblatt vermerkt und später in der Auswertung berücksichtigt werden.
Vaginale Infektionen mit Ausfluss, sexuelle Erregung, der Samenerguss, die Verwendung spermienabtötender Cremes und die Einnahme schleimlösender Medikamente können zu einer Verflüssigung des Zervixschleims führen. Dies kann zu einer fehlerhaften Auswertung führen.

Kontraindikationen
Keine.

Kosten
Diese Verhütungsmethode ist die günstigste Methode die es gibt. Das Wissen zur Auswertung und fertige Tabellen zum Ausfüllen finden sich in einem Buch, das unter Mitarbeit der Malteser erschienen ist.
Ist Ihnen dieser Selbstunterricht zu unsicher oder haben Sie weitere Fragen zur praktischen Umsetzung führen Beratungsstellen Kurse mit professionell ausgebildeten NFP- Beraterinnen und Beratern durch, die um die 120 Euro kosten.
Das Thermometer kostet etwa 8 Euro. Es gibt auch Temperaturcomputer zu kaufen, die jedoch sehr teuer sind und bei einem gründlichen Erlernen der Methode meist als überflüssig empfunden werden.

Besonders praktisch für alle, die sich bald ein Kind wünschen: Der Hormoncomputer

Wirkungsweise
Die Hormoncomputer ermitteln die fruchtbaren Tage mit Hilfe von Hormonanalysen aus dem Morgenurin.

Anwendung
Die Anwenderin wird an bestimmten Tagen aufgefordert, einen Hormontest mit einem Teststreifen durchzuführen. Der Computer wertet diese Tests aus und gibt fruchtbare und unfruchtbare Perioden mit einem Lichtsignal an.

Sicherheit
Als Hilfsmittel für die Verhütung sind sie nicht sehr verlässlich denn die Hormoncomputer geben eine kürzere fruchtbare Periode an, als eventuell möglich.

Vorteile
Der Hormoncomputer als natürliche Methode ist eher für Paare mit Kinderwunsch geeignet. An den fruchtbaren Tagen können sie durch zeitlich geplanten Geschlechtsverkehr die Chancen für eine Schwangerschaft erhöhen.
Die allmorgendliche Temperaturmessung entfällt.

Nachteile
Nur für Frauen geeignet, deren Zyklus eine Länge von 23 bis 35 Tagen hat.

Risiken
Keine.

Kontraindikationen
Keine.

Kosten
100- 150 Euro für das Gerät und Folgekosten für die Teststreifen.