Operative Gynäkologie: Myome

Grundsätzlich muss man im Bezug auf die Therapiekonzepte im Bereich der operativen Gynäkologie zwischen solchen Myomen, die Symptome hervorrufen unterscheiden und solchen, die zu keinerlei Beschwerden führen.

Die Patientinnen, die beschwerdefrei leben, müssen sich prinzipiell keiner Therapie unterziehen. Sie sollten jedoch in regelmäßigen Abständen (zumeist halbjährig) Untersuchungen durchführen lassen um, ausschließen zu können, dass es zu einem raschen Größenwachstum kommt.

Führen Myome zu Beschwerden, müssen sie mit einer so genannten "tailored therapie", d.h. mit einer der Patientin und ihrer individuellen Krankheitsgeschichte angepassten Therapie behandelt werden.

Hierbei gilt es mehrere Faktoren zu beachten. Zum einem spielt natürlich der Schweregrad der Erkrankung, also die Größe und Lokalisation des oder der Myome eine große Rolle. Weiterhin müssen das Alter, die körperliche und psychische Verfassung der Patientin und ein eventueller Kinderwunsch berücksichtigt werden.

In der modernen Medizin, speziell in der operativen Gynäkologie, steht dem Gynäkologen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, um Myome effektiv zu behandeln, so dass die Rezidivraten relativ gering sind.

Häufig ist jedoch ein operativer Eingriff notwendig, um die Myome und somit sämtliche Beschwerden restlos entfernen zu können. Hierzu existieren vielfältige Möglichkeiten, wobei man heute versucht, eine gebärmuttererhaltende Operation durchzuführen, wann immer dies möglich ist.

Welche medikamentösen Therapiemöglichkeiten gibt es?

Der Ansatz der medikamentösen Therapie liegt in der Wachstums- und Stoffwechselsteuerung der Myome durch die Sexualhormone, allen voran die Östrogene.

So reicht eine Behandlung mit einer Anti-Baby-Pille und/oder Gestagenen oftmals schon aus, um die schmerzhaften Periodenblutungen zu regulieren und die Beschwerden entscheidend zu reduzieren. Um gegen die Ursache der Beschwerden, also die Myome selbst vorzugehen werden sogenannte Anti-Hormone verwendet. Die GnRH-Analoga als Gegenspieler zu den Östrogenen führen zu einer Größenreduzierung der Myome und dem damit verbundenen Rückgang der Beschwerden. Allerdings versetzen die GnRH-Analoga die Patientin in einen hormonellen Zustand, welcher der Menopause gleicht. Die Periode setzt aus und es kommt zu Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen, Libidoverlust und auch zu Osteoporose, weswegen diese hormonelle Therapie auf einen mehrmonatigen Zeitraum begrenzt werden muss. Hier besteht die Gefahr, dass sich der prätherapeutische Zustand wieder einstellen kann.

So muss man sagen, dass eine medikamentöse Therapie eine Operation nur in wenigen Fällen ersetzen kann, denn trotz eines kurzfristigen Therapieerfolges wie der Größenreduzierung und des Nachlassens der subjektiven Beschwerden, kann jedoch nach Abschluss der Therapie kein langfristiger Erfolg garantiert werden.

Welche operativen Therapiemöglichkeiten gibt es?

I. Myomenukleation (Ausschälung des Myoms)

Bei der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Methoden der operativen Gynäkologie wird ihr Arzt immer versuchen, einen gebärmuttererhaltenden Eingriff durchzuführen, wenn die Situation dies zulässt. Eine Ein Aufklärungsgespräch über eine Rezidivrate von ca. 10 %, d.h. Wiederauftreten von myomen nach gebärmuttererhaltender Operation, muss vor der Operation erfolgen.

Um eine gebärmuttererhaltende Myomenukleation oder -ausschälung durchzuführen, entscheiden sich Patientin und Frauenarzt je nach Größe und Lokalisation der Myome für eine

1. laparoskopische Myomenukleation,
2. hysteroskopische Myomenukleation oder eine
3. laparotomische Myomenukleation

II. Die Embolisation von Myomen

Die Myomembolisation ist ein neues Behandlungsverfahren, bei welchem die Myom-versorgenden Gefäße unter röntgenologischer Kontrolle teilverschlossen werden. Stoppt oder vermindert man damit die Blutzufuhr des Myoms, schrumpfen sie oder gehen ganz zugrunde.

Eine Myomembolisation ist nur dann anzuwenden, wenn andere organerhaltende Eingriffe geprüft und für nicht möglich oder riskant für den Organerhalt erachtet wurden, oder wenn ein Rezidivmyom nach einer der oben genannten organerhaltenden Eingriffe aufgetreten ist. Zudem beinhalten die Art des Eingriffes und die damit verbundene Strahlenexposition theoretisch ein Risiko für die Fertilität, die Frucht, den Schwangerschaftsverlauf und die Kindesentwicklung. Darum stellt die Myomembolisation keine Alternative zur operativen Therapie dar für Frauen im empfängnisfähigen Alter, bei denn noch Kinderwunsch besteht oder bei denen eine Behandlung nur aus Sterilitätsgründen und dringlichem Kinderwunsch erfolgt.

Der behandelnde Radiologe schiebt unter örtlicher Betäubung einen Schlauch in der Blutbahn bis zum Ast der Gebärmutterhauptarterie (Arteria uterina) vor, der auch das Myom versorgt. Über den Katheter spritzt er dann unter Röntgen-Durchleuchtung kleine, biologisch verträgliche Kunststoff-Partikel in die Arterie, die sich in den feineren Verästelungen festsetzen und sie so blockieren. Die Blutversorgung der Gebärmutter gerät dadurch nicht in Gefahr, weil sie noch über andere Gefäße erfolgt. Im Idealfall schrumpfen die Myome innerhalb von sechs Monaten bis maximal einem Jahr und die Symptome lassen nach.

Welche ganzheitlichen Therapiekonzepte stehen zur Verfügung?

Um der Patientin eine möglichst optimale und umfassende Therapie zu gewährleiste, wird oftmals ein ganzheitliches Therapiekonzept gewählt. Hierbei werden beispielsweise zunächst die subjektiven Beschwerden durch schmerzlindernde Medikamente und Hormonpräparate gelindert.

Das post-operative Netzwerk

Da der Kampf gegen die Myome und ihre Folgeerscheinungen nicht nur durch unsere klinische Therapie gewonnen werden kann, gibt es ein Netzwerk aus Schmerz- und Physiotherapeuten, Selbsthilfegruppen und niedergelassenen Ärzten sowie psychologischen Betreuern, das Sie während und nach der Behandlung sicher auffängt.