Modernste Labortechniken bei unerfülltem Kinderwunsch

  • IMSI – Die Weiterentwicklung der ICSI

Bei unerfülltem Kinderwunsch können verschiedene modernste Labortechniken Abhilfe leisten. Dazu zählt unter anderem die sogenannte IMSI-Methode.

IMSI: Intrazytoplasmatisch morphologisch selektierte Spermieninjektion

Bei der IMSI handelt es sich um eine Weiterentwicklung bzw. um ein Spezialverfahren der ICSI - Therapie (= Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion). Bei dieser Methode werden die Spermien statt wie bei der ICSI mit 200–400facher Vergrößerung bei einer 6500-12000fachen Vergrößerung auf ihre Integrität analysiert und für die Injektion in die Eizelle selektiert.

High-Tech bei der Spermienauswahl

Durch die enorme Vergrößerung können die männlichen Keimzellen nach morphologischen Kriterien ausgewählt werden, die unter dem normalen ICSI-Mikroskop verborgen bleiben: Die Rede ist von sogenannten Vakuolen in den Spermienköpfen. Es hat sich in Studien als vorteilhaft erwiesen, Spermien ohne Vakuolen in die zu befruchtenden Eizellen zu injizieren. Die IMSI-Methodik ist sehr komplex und zeitintensiv und sie setzt ein
High-End-Mikroskop der neuesten Generation voraus. Ein solches Gerät wird in der Frauenklinik eingesetzt.

Was haben Vakuolen in Spermienköpfen zu bedeuten?

Das Vorkommen von Vakuolen in Spermien ist ganz normal, nur ein geringer Anteil (weniger als 5%) der Samenzellen des Mannes weist keine Vakuolen auf. Allerdings scheint ihre Bildung auf Schäden an der Erbsubstanz (DNA) zurückzuführen zu sein oder zumindest damit zu korrelieren. Bei Spermien mit großen Vakuolen scheint die Befruchtungsrate reduziert zu sein, man findet eine nachteilige Entwicklung des Embryos sowie häufigeres Einnistungsversagen und vermehrt Aborte.

Durch das IMSI-Verfahren können Spermien ohne Vakuolen identifiziert und für die künstliche Befruchtung der Eizelle zu verwendet werden.

Welche Paare profitieren besonders von einer künstlichen Befruchtung mit IMSI?

  • Paare mit fehlender oder schlechter (<30%) Befruchtungsrate in einer vorangegangenen ICSI - Therapie
  • Paare mit zwei erfolglosen ICSI-Embryo-Transferen von gut entwickelten Embryonen (s.g. idiopathische Implantationsversager)
  • Frauen mit gehäuften Fehlgeburten
  • Männer mit positive pre-IMSI Test (sg. MSOME < 8% Normomorphierate ) OAT’s III
  • Paare, bei denen sich in vorherigen Versuchen die Embryonen ohne erkenn baren Grund nicht zeit- und normgerecht entwickelten
  • Individualisierung der Stimulationstherapie zur IVF / ICSI

Ungewollte Kinderlosigkeit und unerfüllter Kinderwunsch ist ein zunehmendes Problem unserer Gesellschaft. Die Ursachen für die Kinderlosigkeit sind in je 40% bei Frau oder Mann zu finden oder aber in 20% bei beiden Partnern.

Ist nach einer ausgewogenen Diagnostik, einem ausführlichen Beratungsgespräch mit dem Paar und/oder Vortherapien die Indikation zu einer so genannten künstlichen Befruchtung, eine der modernen Labortechniken, gestellt worden, so wird diese entweder als In-vitro-Fertilisation (IVF) oder als Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) durchgeführt.

Bei der Durchführung einer IVF/ICSI-Therapie stehen uns unterschiedliche Protokolle zur Verfügung, so dass wir diese individuell an die Patientin anpassen können.

Bei dem Antagonistenprotokoll wird ab dem 2. Zyklustag mit der Gonadotropinstimulation begonnen.Die Dosis des Gonadotropins wird anhand des Antimüllerhormons (AMH) festgelegt. Ab dem 6. Zyklustag wird mittels GnRH-Antagonist die vorzeitige Ovulation unterdrückt, der erste Ultraschall erfolgt am 8. Zyklustag. Der Zeitpunkt der Follikelpunktion erfolgt dann in Abhängigkeit von Follikelwachstum und -größe.

Beim Agonistenprotokoll wird am 21. Zyklustag des Vorzyklus ein GnRH-Agonist s.c. als Depot verabreicht, alternativ kann ein Nasenspray täglich verabreicht werden je nach Wunsch der Patientin. Zwei Wochen später wird mit der Gonadotropinstimulation begonnen, der weitere Verlauf gleicht dann dem Vorgehen im Antagonistenprotokoll.

Bei Patientinnen mit einer ausgeprägten Endometriose in der Vorgeschichte kann die Downregulation mit dem GnRH-Analogon auch über einen längeren Zeitraum erfolgen um so eine bessere Voraussetzung für die Kinderwunschtherapie zu schaffen.

Fazit:

Die Wahl des Protokolls erfolgt in Abhängigkeit der Vorbefunde und wird den individuellen Wünschen des Paares entsprechend festgelegt. So wird jede Patientin individuell auf ihrem Weg zu einem Kind begleitet.

Entscheidend für die gute Compliance der Patientin ist ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept!

  • Vitrifikation

Sogenanntes “Ultra schnelles Einfrieren“

Zwei Labortechniken zur Kryokonservierung von Oozyten und Embryonen sind bekannt:

  • langsames Tiefgefrieren (sog.Slow Protocol)
  • Vitrifikation (Ultra schnelles Einfrieren)

Mitte der 1990er-Jahre wurde die konventionelle Vitrifikation in die Reproduktionsmedizin eingeführt. Durch Verbesserungen der Technik gewinnt sie immer mehr an Bedeutung.

Die Vitrifikation ist eine Methode des Tiefgefrierens, bei der Zellen in glasähnliche amorphe Strukturen umgewandelt werden. Dies wird erzielt durch die Kombination von hohen Konzentrationen von Kryoprotektiva (Gefrierschutzmittel), um die Bildung von zellzerstörenden Eiskristallen zu verhindern und sehr hohen Abkühlraten. Der Nachteil der konventionellen Vitrifikation ist, dass sie nicht aseptisch durchgeführt werden kann. Durch die relativ hohe Konzentration an Kryoprotektiva (Gefrierschutzmittel) ist jedoch prinzipiell ein zytotoxisches Risiko vorhanden.

Aseptische Vitrifikation

Aufgrund der neuen EU-Direktiven (EU/2004/23 EC) wurde schon vor Jahren ein aseptischer Kit für die Vitrifikation entwickelt. Es ist heute möglich, aseptisch zu vitrifizieren - ohne Einbußen der Qualität.

In den vergangenen Jahren konnte Überlebensraten von Embryonen bis zu 80 % und Schwangerschaftsraten von fast 30 % mit dem Transfer von vitrifizierten und wiederaufgetauten Embryonen im Zygotenstadium, den verschiedene Teilungsstadien sowie dem Morula- und Blastozystenstadium erreicht werden. Auch über Geburten gesunder Kinder wurde vielfach berichtet.

Ein positiver Aspekt dieser Methode ist die bis zu 98%-ige “Auftaurate” und der Umstand, dass mit der Vitrifikation neben befruchteten Eizellen auch unbefruchtete Eizellen und Embryonen fast risikolos gefrierkonserviert werden können.

Der größte Vorteil der Vitrifikation ist, dass z. B. unbefruchtete Eizellen von Frauen konserviert werden, die sich vor einer die Fruchtbarkeit gefährdenden Chemotherapie oder Strahlentherapie befinden (Fertilitätsreserve). Auch Eizellen von Frauen (zwischen 25 und 35 Jahren), welche sich zum Zwecke der verbesserten Schwangerschaftschance in einem späteren Lebensabschnitt (40-45(?)) eine Fertilitätsreserve anlegen möchten (sog. social freezing), können so behandelt werden.