Kreißsaal im Mutter-Kind-Zentrum

Geburtsbeginn und-Betreuung

Viele Fragen stellen sich über den Geburtsbeginn. Oft kündigt sich eine Geburt durch regelmäßige Wehen, eine leichte Blutung oder einen Blasensprung an. Manchmal können auch wir nicht sagen, ob es nun endlich losgehen wird. In jedem Fall können Sie sich rund um die Uhr an unseren Kreißsaal wenden (Link zu den Kontaktdaten). Wenn es einmal dringend ist, halten Sie sich nicht mit den formalen Aufnahmeprozessen an der Patientenaufnahme oder Pforte auf, sondern kommen direkt in den Kreißsaal.

Bitte klingeln Sie an der Türe in der 2. Etage. Sie ist mit einem Storch gekennzeichnet.

Im Kreißsaalbereich werden Sie von einer Hebammenschülerin begrüßt, die Sie unter anderem auch nach Ihrem Mutterpass fragen wird.
Danach werden Sie Ihre Hebamme kennenlernen, die Sie zunächst in einem Vorwehenzimmer betreuen wird.

Neben der erforderlichen Dokumentation werden wir in einem ausführlichen Gespräch ihre individuelle Situation in der Schwangerschaft zu erfassen. Dabei versuchen wir durch zahlreiche Maßnahmen, Ihre Intimsphäre so weit als möglich zu schützen. Unter anderem werden Blutdruck und Temperatur kontrolliert und ein CTG geschrieben. Ggf. wird der Muttermund untersucht. Die Aufnahmeuntersuchung schließt auch ein ärztliches Gespräch, sowie eine ärztliche Untersuchung ein.

Manchmal ist der Geburtsprozess noch in einem frühen Stadium, so dass Sie zunächst auf die Schwangerenstation verlegt werden, bis die Geburt mehr in Fahrt gekommen ist und Sie intensivere Betreuung benötigen. Dies hat den Vorteil, dass Sie sich, der erforderlichen Überwachungssituation angepasst, freier bewegen können. Auch auf der Schwangerenstation müssen Sie nicht auf Hebammenhilfe verzichtet (Link zur Schwangerenstation). Unter der Geburt werden Sie unter Anleitung einer Hebamme von einem interdisziplinären Team betreut.

Zwar ist bei jeder Entbindung eine Ärztin bzw. ein Arzt anwesend, jedoch werden diese bei einer natürlichen Geburt lediglich im Hintergrund alle Prozesse überwachen. Bei Komplikationen unter der Geburt und/oder einer Risikoentbindung wird die Geburt durch den Kreißsaalarzt geleitet. In einem solchen Fall wird dann auch ein erfahrener Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und ggf. ein Kinderarzt hinzugezogen. Bei operativen Entbindungen und/oder Mehrlingsgeburten kann das geburtshilfliche Team noch größer sein.

Die Schmerztherapie unter der Geburt ist uns ein großes Anliegen. Wir bieten Ihnen hier ein bewährtes Stufensystem an, indem wir versuchen auszuloten, wie Sie den individuellen Geburtsschmerz für sich einordnen. Nahezu alle Verfahren der modernen Schmerztherapie stehen Ihnen im Team mit unseren Narkoseärzten zur Verfügung. Bitte scheuen Sie sich nicht, gegenüber unserem Personal offen über Ihr Erleben des Geburtsschmerzes zu sprechen. Nur so können wir einschätzen, mit welchen Maßnahmen und medizinischen Verfahren wir Sie bei der Geburt Ihres Kindes suffizient unterstützen können.

Ob es eine Land- oder Wassergeburt wird, ob Sie auf der Gebärmatte oder im Kreißbett, im Vierfüsslerstand oder in Seitenlage entbinden, usw. entscheidet sich immer im Verlauf der Geburt. Es ist sehr hilfreich schon vor Beginn der Geburt für sich ein klares Konzept vor Augen zu haben und noch hilfreicher, dem Geburtsprozess offen zu begegnen. Nicht selten ist der Geburtsverlauf anders, als man dies erwartet hat, so dass Kompromisse erforderlich sind. Sie dürfen darauf vertrauen, dass unser Personal mit dieser Situation bestens umzugehen weiß und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Wir betrachten die individuelle Betreuung als wichtigstes Element jeder Geburt und bemühen uns als Team für Sie kontinuierlich rund um die Geburt da zu sein.

In unseren sechs hellen Kreißsälen können Sie sich auf verschiedene Weise entspannen: Eine große Badewanne, Hängeschlaufen, Bodenmatten, Pezzibälle, ein modernes Entbindungsbett und ein CD-Player für Ihre Lieblingsmusik befinden sich in jedem Raum. Während der gesamten Geburt kann natürlich eine Vertrauensperson anwesend sein.

Direkt vor dem Kreißsaal ist erfrischendes Wasser bereit gestellt.

Wir versuchen eine physiologische Entbindung zu fördern. Daher ist z.B. auch der Dammschnitt in unserem Zentrum keine Routinemaßnahme, sondern erfolgt nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung. Wir legen großen Wert darauf, dass Sie Ihre Entbindung so selbstbestimmt wie möglich erleben und greifen in den Geburtsprozess nur dann entschieden ein, wenn Sie oder Ihr Kind gefährdet sind. In dieser Situation versuchen wir Ihnen Alternativen aufzuzeigen, die ein gutes Outcome von Mutter und Kinder gewährleisten. So muss beispielsweise ein Kaiserschnitt nicht zwangsläufig mit einer Vollnarkose verbunden sein, oder das Bonding unter den Tisch fallen.

Haben Sie keine Angst vor einer vaginal operativen Entbindung. Saugglocke oder Zange sind beides Verfahren, um in einer Notfallsituation Schaden von Ihrem Kind fern zu halten. Sie dürfen darauf vertrauen, dass wir die Indikation zur vaginal-operativen Entbindung sehr sorgfältig stellen und auch die Alternative einer Kaiserschnittentbindung mit Ihnen besprechen werden. In jedem Fall ist neben dem Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in einem solchen Fall auch ein Kinderarzt bei der Entbindung anwesend, um eine umfassende Erstversorgung Ihres Kindes nach der Geburt sicher zu stellen.

Die Zeit nach der Entbindung ist angefüllt mit dem ersten Kontakt zu Ihrem Kind. Als Babyfreundliches Krankenhaus räumen wir der ersten Bondingphase besonderen Platz ein, um einen erfolgreichen Stillprozess einzuleiten. Die erste Stunde nach der Geburt sollte möglichst mit ununterbrochenem Hautkontakt zwischen Mutter und Kind ausgestaltet sein. Bewusst treten Maßnahmen der Routineversorgung (U1-Untersuchung, Bestimmen von Gewicht und Größe des Kindes, etc.) in den Hintergrund. Auch in Situationen, die eine Trennung von Mutter und Neugeborenem bedingen (Notkaiserschnitt, Verlegung des Neugeborebnen in die Kinderklinik) versuchen wir Alternativen herzustellen. Sprechen Sie Ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen aus, so dass wir diese in der Klinikroutine berücksichtigen können. In jedem Fall ist auch ein sogenanntes Re-Bonding möglich.

Ob als ambulante oder stationäre Geburt geplant, verweilen Sie auch nach der Entbindung noch eine ganze Weile in unserem Kreißsaal. Hier erfolgt eine engmaschige Überwachung von Mutter und Kind, bevor Sie in die Wochenpflege entlassen werden. In dieser Zeit soll eine regelrechte Anpassung Ihres Kindes an das eigenständige Leben erfolgen. Ebenso achten wir auf einen störungsfreien Beginn Ihres Wochenbettes. Die Zeit zwischen Geburt und Verlegung in die Wochenpflege richtet sich nach Ihren individuellen Zimmerwünschen und unserer Bettenkapazität. Obwohl wir uns sehr bemühen Ihre Wünsche zu berücksichtigen, gilt es in der großen Gemeinschaft aller im Perinatalzentrum betreuten Patientinnen, die nur wenig planbar ist, Kompromissbereitschaft zuzulassen. Bei Kapazitätsengpässen können wir daher nicht immer alle Wünsche, z.B. nach einem Familienzimmer, erfüllen.

Rundgang durch den Kreißsaal

Im Perinatalzentrum Tübingen stehen Ihnen im Kreißsaal 5 individuell gestaltete Entbindungsräume zur Verfügung (Bildergalerie der Entbindungsräume). Alle Entbindungsräume sind modular aufgebaut, so dass in jedem einzelnen Zimmer das Equipment der hochschuleigenen Maximalversorgung vorhanden ist. Dieses erschließt sich der individuellen Patientin nur dann, wenn es auch wirklich gebraucht wird. Wir wollen die physiologische Geburt fördern und Ihre Entbindung medizinisch begleiten. Durch die Gestaltung der Räume wird vermieden, dass die vorgehaltene Technik unnötige Ängste auslöst, jedoch im geburtshilflichen Bedarfsfall sofort zur Verfügung steht. Unmittelbar für die Patientin sichtbar sind die in jedem Entbindungsraum vorhandene Geburtswanne, ein Kreißbett, eine Gebärmatte, der Geburtshocker, mehrere Gebärseile, usw. die wesentliche Hilfsmittel zur Förderung einer physiologischen Entbindung darstellen. Ein Entbindungsraum ist speziell für Zwillingsentbindungen ausgestattet (Bild), da wir jährlich über 120 Zwillingsschwangerschaften bei der Geburt betreuen. Neben den Entbindungszimmern finden unsere Patientinnen in 3 Nachruheräumen, 4 Vorwehenzimmern und weiteren Funktionszimmern Platz. Sogar ein eigener OP ist im Kreißsaal vorhanden, um die Wege bei einem Notfall kurz zu halten und die Bereitschaft herzustellen, rund um die Uhr auch höhergradige Mehrlingsschwangerschaften betreuen zu können.

Einblick in die Kreißsaaltechnik

Über 42% der im Perinatalzentrum Tübingen betreuten Entbindungen sind im Rahmen von Risiko- und Hochrisikoschwangerschaften einzuordnen. Ein sehr gutes Outcome von Mutter und Kind kann nur in einem hoch spezialisierten Netzwerk von Experten gewährleistet werden, die auf ein modernes Equipment zurückgreifen können. In den Entbindungsräumen muss daher sehr viel Technik vorgehalten werden, um Mutter und Kind in einer schwierigen Situation auf höchstem Niveau versorgen zu können. Beispielsweise wird in jedem Entbindungszimmer des Perinatalzentrums eine komplette Narkoseeinheit für Mutter und Kind vorgehalten, so dass der Entbindungsraum theoretisch in einen kompletten OP und eine Neugeborenenintensivstation umgewandelt werden könnte. Theoretisch könnten wir 10 operative Entbindungen zur selben Zeit durchführen. Gemessen an den letzten 25.000 Entbindungen in den vergangenen 10 Jahren ist dies aber noch nie vorgekommen. Da wir jedoch auch sehr viele von vorneherein geplante, sehr schwierige Kaiserschnittentbindungen durchführen müssen, beispielsweise wenn Kinder im Mutterleib schwer erkrankt sind, oder die Mutter an einer Erkrankung leidet, die eine vaginale Entbindung unmöglich macht, ist in unserem Kreißsaal ein eigener OP integriert. Dieser beinhaltet nicht nur eine genau auf die Geburtsmedizin abgestimmte Ausstattung, sondern erlaubt auch sehr kurze Wege bei einem ungeplanten Kaiserschnitt.

Unsere Experten / das Team des Kreißsaals

In unserem Kreißsaal herrscht ein reger Betrieb. Durch ein durchdachtes Konzept hoffen wir dies für die individuelle Patientin so wenig wie möglich spürbar werden zu lassen. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung arbeiten unsere Hebammen im Kreißsaal in einem Dreischichtbetrieb. D.h. alle 8 Stunden erfolgt ein Schichtwechsel. Nicht selten, werden Sie daher unter einer Geburt von mindestens zwei Hebammen betreut. Eine sorgfältige Evaluation hat jedoch gezeigt, dass dies von unseren Patientinnen und Ihren Partnern durchaus positiv erlebt wird, da eine ausgeruhte Fachkraft nicht selten neue Impulse im Geburtsverlauf setzt und ein ausgeruhtes Personal einen wesentlichen Garant für die Sicherheit und Geborgenheit von Mutter und Kind unter der Geburt darstellt. Alles in allem sind drei Hebammen pro Arbeitsschicht im Kreißsaal tätig. Unter deren Anleitung arbeiten drei Hebammenschülerinnen. Der hohe Betreuungsaufwand unserer Patientinnen macht es erforderlich, dass ein Assistenzarzt ausschließlich im Kreißsaalbereich eingesetzt ist. In unserem Zentrum ist selbstverständlich ein Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe über 24 Stunden im Haus, um in einer Akutsituation keine wertvolle Zeit durch Anfahrtszeiten zu verlieren. Ein im Haus ständig verfügbares Team aus Narkoseärzten und -Plegern, sowie geschultes OP-Fachpersonal runden Tag und Nacht eine optimale Versorgung ab. Zudem stehen für Ihr Kind im Bedarfsfall jederzeit erfahrene Kinderärzte unserer Klinik für Neu- und Frühgeborene bereit. Mit diesem hohen Stellenschlüssel setzt das Perinatalzentrum ein klares Zeichen dafür, dass uns Ihre Betreuung unter der Geburt wichtig ist. Nur so können wir sicherstellen, dass eine Hebamme möglichst nicht mehr als ein bis drei Patientinnen gleichzeitig betreut und damit möglichst viel Zeit in Ihre individuelle Betreuung einbringen kann.

Diagnostik im Kreißsaal

Auch im Kreißsaal halten wir moderne Ultraschall- und CTG-Geräte vor, um eine zeitnahe Diagnostik rund um die Geburt zu garantieren. Bei komplexen Fragestellungen, werden Sie zudem in unserer Pränatalambulanz vorgestellt, wo wir insgesamt 4 Highend-Diagnoseinheiten vorhalten.

Der Mutterpass

Der Mutterpass (Bild) ist das zentrale Dokument in der Schwangerschaft. Bitte bringen Sie Ihren Mutterpass bei jedem Besuch im Perinatalzentrum mit. Er erlaubt es uns, einen sehr schnellen Einblick in Ihre individuelle Situation in dieser Schwangerschaft zu nehmen und Ihre medizinische Vorgeschichte rasch zu erfassen.

Das Tübinger Badegespräch

Das Tübinger Badesgespräch hat eine lange Tradition. Die meisten Patientinnen unseres Perinatalzentrums entspannen unter der Geburt in der Geburtswanne. Dies hilft sich unter den Wehen auszubalancieren. Der Wannenrand bildet einen definierten Raum, in dessen Mitte die Kreisende halt und Ruhe findet. Oft bleibt hier Zeit, die bevorstehende Geburt mit der betreuenden Hebamme zu besprechen und individuelle Fragen zu klären. Nicht wenige Patientinnen fühlen sich in der Gebärwanne derart Wohl, dass Sie sich für eine Wassergeburt entscheiden.

Überwachung unter der Geburt

Gemessen an den weltweit erhobenen Statistiken zur Schwangerschaft und Geburt, haben wir in Deutschland und insbesondere in den großen Perinatalzentren eine sehr sichere und gut Geburtsmedizin. Diese zeichnet sich vor allem durch ein starkes Netzwerk mit anderen Kliniken und vor allem den niedergelassenen Fachärzte aus. Die in Deutschland gesetzlich geregelte Schwangerenvorsorge dient der frühzeitigen Erkennung von Risikofaktoren und/oder Schwangerschaftskomplikationen. Bei Problemen findet daher im Idealfall ein frühzeitiger Kontakt mit dem Perinatalzentrum statt, so dass eine sichere Entbindung und Versorgung des Neugeborenen vorbereitet und durchgeführt werden kann. Der heute erwartete Standard einer optimalen Überwachung von Mutter und Kind in Deutschland ist sehr hoch und zwingt uns nicht selten Kompromisse auf, die das ungestörte Miteinander von Mutter und Kind stören können. Wir versuchen die erforderliche Überwachung von Mutter und Kind für Sie so wenig spürbar zu machen, wie möglich. Risikofaktoren des Kindes oder Erkrankungen in der Schwangerschaft erfordern dennoch immer wieder einschneidende Maßnahmen, wie beispielsweise eine Trennung von Mutter und Kind, z.B. weil das Neugeborene in der Kinderklinik versorgt werden muss. Auch hier versuchen wir Kompromisse einzugehen. Beispielsweise finden Sie in der Kinderklinik vielfältige Möglichkeiten zum Bonding oder Stillen.
Darüber hinaus versuchen wir einen Großteil der Überwachung der Kinderklinik auch im Kreißsaal zu leisten, um eine erste Bondingphase zu ermöglichen. Bei längerfristigen Behandlungen des Kindes in der Kinderklinik stehen hier Mütterzimmer bereit, damit Mutter und Kind nach Entlassung aus der Wochenbettpflege gemeinsam im Perinatalzentrum verweilen können.
Bei Abweichungen von der physiologischen Geburt, wird neben dem Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe stets ein Kinderarzt im Entbindungszimmer anwesend sein, der die Erstversorgung Ihres Kindes nach der Geburt auf höchstem Niveau sicherstellt.
Durch die hervorragende bauliche Lösung der spezialisierten Abteilungen unter einem Dach, sind die interdisziplinäre Zusammenarbeit gut etabliert und die Wege kurz.
Auch wenn wir in den Stunden der Entbindung nicht immer unmittelbar im Entbindungszimmer anwesend sind, haben wir ständigen Blick auf wichtige Überwachungsparameter Ihrer Geburt. Beispielsweise werden alle Überwachungsparameter von Mutter und Kind digital in unserer zentralen Kreißsaalüberwachungsanlage ständig an mehreren Standorten visualisiert und ausgewertet. Damit ist ein 4 bis 6 Augenprinzip der Überwachung ständig gewährleistet. Auch wenn Sie ein CTG außerhalb des Kreißsaals auf einer unseren peripheren Stationen in Ihrem Patientinnenzimmer erhalten, wird dieses übertragen und zentral ausgewertet.

Alternativen

Ambulante Geburt - eine sichere Alternative

Möchten Sie die Sicherheit des Krankenhauses nicht missen, andererseits aber schnell mit dem Kind in die vertraute Umgebung nach Hause zurück, ist die ambulante Geburt eine gute Alternative. Wenn bei der Entbindung Ihres Kindes keine Probleme auftreten, bleiben Sie noch etwa 4-6 Stunden in unserer Obhut und werden dann in die Fürsorge ihrer nachsorgenden Hebamme entlassen.

Wassergeburt

Seit 1999 werden im Tübinger Kreißsaal Wassergeburten durchgeführt. Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine Geburt im Wasser, da durch die entspannende Wirkung des warmen Wassers die Geburt meist schneller und weniger schmerzhaft verläuft. Es treten auch weniger Geburtsverletzungen auf. In unserem neuen Kreissaal sind fünf Geburtsräume mit einer Gebärwanne ausgestattet. Sollten bestimmte geburtshilfliche Vorraussetzungen erfüllt sein, steht einer Geburt im Wasser nichts im Wege. Wassergeburten sind eine sichere Methode zur Entbindung wie Untersuchungen eindeutig belegen.

Mehr dazu bei www.delphisart.de

Kaiserschnitt - Kurze Wege

Ist ein Kaiserschnitt notwendig, steht hierfür an der Tübinger Frauenklinik ein OP Team 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Der OP Bereich für Kaiserschnitte ist direkt in den Kreissaalbereich integriert. Die Nachbetreuung wird für die ersten Stunden nach einem komplikationslosen Kaiserschnitt von der Hebamme durchgeführt. Wir führen die meisten Kaiserschnitte in Regionalanästhesie durch, so daß die Mutter die Geburt ihres Kindes wach miterleben kann.

Als Vater können Sie natürlich gerne beim Kaiserschnitt anwesend sein.

Geburt aus Beckenendlage / Äußere Wendung

Bei 3-5% aller Schwangerschaften stellt sich das Kind am Geburtstermin in Beckenendlage ein. Nicht selten löst dies große Sorgen aus, kann man doch aus dem Internet erfahren, dass zahlreiche Paare sich in dieser Situation zu einem Kaiserschnitt entscheiden. Diese Entscheidung wird von dem Wunsch getragen, den für das Kind sichersten und wägbarsten Geburtsmodus zu wählen. Unserer Erfahrung und die Analyse wissenschaftlicher Studien zeigt jedoch, dass eine pauschale Entscheidung zur Schnittentbindung hier unangebracht ist. Insbesondere, da die vaginale Geburt bei fetaler Beckenendlage sehr gut vorbereitet wird, eine sehr erfahrenes geburtshilfiches Team anwesend ist und innerhalb der logistischen Möglichkeiten eines Perinatalzentrums der Maximalversorgung erfolgt. Es gilt daher erst einmal Ihre individuelle Schwangerschaftssituation zu erfassen und Ihnen Vorschläge zu unterbreiten. Eine Alternative kann beispielsweise die sogenannte \Äußere Wendung\" sein, bei der Ihr Kind vor Einsetzen der Wehen durch spezielle Handgriffe in Schädellage gedreht wird. Ihre Entscheidung zum Geburtsmodus sollte eine informierte Entscheidung sein und für Sie zu einem nachhaltigen Entschluss führen. Dies setzt immer ein offenes ärztliches Beratungsgespräch in unserem Zentrum vorraus. Sie können sich hierzu jederzeit vertrauensvoll an uns wenden.

Entbindung von Mehrlingen

Höhergradige Mehrlinge, also Drillinge, Vierlinge, etc. kommen in der industrialisierten Welt nahezu alle durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. Bei Zwillingen ist dies jedoch nicht so. Eine vaginale Entbindung von Zwillingen kann viele Vorteile haben. Beispielsweise kann sich die Mutter nach der Geburt ungleich besser um die zwei Neugeborenen kümmern, als nach einem Kaiserschnitt. Welcher Geburtsmodus im individuellen Fall zu bevorzugen ist, wird immer in einem persönlichen Beratungsgespräch, anhand der Untersuchungsbefunde und der persönlichen Vorgeschichte der Schwangeren festgelegt. Für die vaginale Entbindung von Zwillingen haben wir ein eigens dafür ausggestattetes Entbindungszimmer, unseren roten Kreißsaal. Dieser ist auch durch seine unmittelbare Nähe zum OP gekennzeichnet, der den Geburtsprozess absichert. Bei der Entbindung von Zwillingen brauchen wir immer ein interdisziplinäre Team. Neben der Hebamme und der Assistenärztin, wird auch ein Facharzt für Geburtshilfe und Gynäkologie, sowie zwei Kinderärzte bei der Geburt anwesend sein. Die besondere bauliche Gestaltung des Entbindungszimmers, macht jedoch die Anwesenheit des großen Teams für die Entbindindende wenig spürbar.

Geburtsschmerz

Natürliche Schmerzerleichterung

Zur natürlichen Schmerzerleichterung verwenden wir Massagen mit Öl die sehr wohltuend sind etwa bei Rückenschmerzen. Eine sehr gute Art der Schmerzerleichterung bietet ein warmes Entspannungsbad. Durch die entspannende Wirkung des warmen Wassers, gern auch mit Aromatherapie ("Tübinger Bademischung"), wird die Schmerzempfindung reduziert und die Geburtsarbeit unterstützt.

Leichter durch Akupunktur und Homöopathie

Akupunktur und Homöopathie können unter der Geburt zur Schmerzerleichterung eingesetzt werden. Sie wirken harmonisierend und regulierend auf die Wehenarbeit ein, etwa bei zu starken oder unkoordinierten Wehen, die oft zu Verspannungen und damit zu mehr Schmerzen führen können. Die Wirkung tritt oft innerhalb weniger Minuten ein. Die werdenden Mütter können sich erholen und Kraft sammeln für die Geburt. Viele der Hebammen aus unserem Team sind in der Akupunktur und Homöopathie ausgebildet und werden Sie gern beraten.
Wir wenden die Akupunktur-Behandlung neben der Geburtsvorbereitung und -erleichterung auch an bei:

  • Schwangerschaftsübelkeit, -erbrechen
  • Vorzeitigen Wehen
  • Verlängertem Geburtsverlauf
  • Störungen in der Nachgeburtsperiode
  • Milchbildung oder Brustentzündung
  • Schmerzhaften Nachwehen

Mit der Akupunktur kann auch schon in der Schwangerschaft ab der 36. Schwangerschaftswoche zur Geburtsvorbereitung begonnen werden.Weiterhin kann Akupunktur bei Schwangerschaftsbeschwerden Erleichterung verschaffen. Sprechen Sie ihre Hebamme in der Geburtsvorbereitung darauf an und lassen sich von ihr beraten.

PDA (Peridual Anästhesie)

Natürlich kann man sich vornehmen, die Geburt tapfer ohne Schmerzmittel durchzustehen. Wenn es aber anders kommt, kann die Periduralanästhesie (PDA) ein Segen sein: Die Spritze in das Gewebe um den Rückenmarkskanal dämpft den Wehenschmerz erheblich.
Hier wird ein Katheter - ein ganz feiner Schlauch - in den Rücken der Frau gelegt und über diesen dann kontinuierlich ein Schmerzmittel gegeben. Der Schmerz wird gezielt im Beckenbereich ausgeschaltet, und die Frau erlebt die Geburt ihres Kindes wach mit. Der Vorteil ist eine optimale Schmerzfreiheit und damit größte mögliche Entspannung.

Die drei Buchstaben PDA bilden die Abkürzung des Begriffs "Peridualanästhesie". Dabei spritzt der Arzt lokal wirkendes Narkosemittel zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel in den so genannten Periduralraum, einen Kanal der Wirbelsäule zwischen Knochen und Rückenmarkshaut. Das Narkosemittel betäubt die dort liegenden Nervenfasern.

In welchen Situationen ist eine PDA sinnvoll?

Wenn eine Geburt sehr lange dauert, zum Stillstand kommt oder die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind, kommt die Frau mithilfe einer PDA zur Ruhe und kann wieder Kraft schöpfen. Auch Kaiserschnittkinder werden meist unter einer PDA geboren: Im Unterschied zur Vollnarkose kann die Mutter ihr Kind nach der Geburt sofort sehen, berühren und stillen. Da die PDA eine lokale Betäubung ist, geht kein Narkosemittel auf das Kind über und das Risiko für die Frau ist viel geringer als bei einer Vollnarkose.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine PDA?

Voraussetzung für das legen einer PDA ist, dass die Geburt voll in Gang ist, die Wehen also regelmäßig kommen und der Muttermund sich öffnet. Die Wirkung setzt nach einigen Minuten ein und hält anderthalb bis zwei Stunden an. Der Arzt kann bei Bedarf mehrfach nachspritzen oder die Betäubung beenden - das geht, weil lokale Narkosemittel genau dosier- und steuerbar sind. Wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist und die Pressphase beginnt, sollte das Gefühl wieder da sein, die Schmerzen werden jedoch weiterhin gedämpft. Wirkt die PDA in diesem Stadium noch zu stark, kann die Frau nicht aktiv mitpressen - dann dauert die Geburt oft länger und das Kind muss häufiger per Saugglocke geholt werden.

Mindert die PDA das Geburtserlebnis?

Zu einem erfüllten Geburtserlebnis gehören nicht zwingend Schmerzen. Wichtiger ist das Wissen, das Kind aus sich heraus geboren zu haben und es direkt nach der Geburt auf den Bauch gelegt zu bekommen. All dies ist bei der PDA möglich.

Hat die PDA auch Nachteile?

Sie wirkt leicht wehenhemmend, kann die Geburt also verlängern. Sehr selten wird beim Spritzen der Spinalkanal verletzt und es tritt etwas Rückenmarksflüssigkeit aus. Die Folgen sind heftige Kopfschmerzen über drei bis vier Tage. In diesen Fällen helfen Liegepausen und Kopfschmerztabletten. Bleibende Schäden sind aber nicht zu befürchten, selbst wenn die Spritze zu tief eingestochen wird.

Ist man in puncto PDA in jeder Klinik gut aufgehoben?

Unser Rat ist, eine Klinik aufzusuchen, in der man sich mit der PDA auskennt - auch wenn die Frau etwas weiter fahren muss. Sie sollte fragen, ob rund um die Uhr ein Anästhesist und Geburtshelfer da ist, im Kreißsaal Schichtdienst gearbeitet wird, immer ein komplettes Kaiserschnitteam verfügbar ist und ob eine Blutbank vorhanden ist. Man weiß nie, wie eine Geburt verläuft, und es ist beruhigend, im Fall der Fälle alle Optionen nutzen zu können.