Beckenbodentherapien: konservative und operative Therapie

  • Was kann operativ gegen Belastungsinkontinenz getan werden?
  • Beckenbodensenkung

Belastungsinkontinenz kann verschiedene Ursachen haben und entsprechend unterschiedlich therapiert werden. In vielen Fällen wird eine Suspensionstherapie oder eine TVT- oder TVT-O Operation angezeigt sein. In anderen Fällen kann die Belastungsinkontinenz mit einer Beckenbodensenkung bzw. einen Prolaps vergesellschaftet sein. Hier hat sich neben den herkömmlichen Therapien der Beckenbodensenkung die Beckenbodenrekonstruktion mit Imlantateinlagen (Netzen) etabliert. Implantate können sowohl von der Scheide aus eingesetzt werden und dienen der Korrektur von Bruchpforten im Beckenboden, als auch endoskopisch (Schlüssellochchirurgie) zur Erneuerung der Aufhängebänder von Gebärmutter und Scheide im kleinen Becken.

Um was geht es bei den Suspensionen?

Bei einer Kolposuspensionsoperation wird das Gewebe, das den Blasenhals umgibt, mit Hilfe von Fäden an einem Ligament hinter dem Schambein aufgehängt. Das erschlaffte Gewebe hat damit wieder eine dauerhaft stützende Funktion - zumal sich die Fäden nicht auflösen. Die Kolposuspension weist beeindruckende Heilungserfolge auf (80-95 Prozent bei Erstoperierten), ist kaum mit Komplikationen verbunden, kann als Einzeltherapie oder in Verbindung mit anderen Therapien eingesetzt werden und ist dank minimal-invasiver Technik nur mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt verbunden.

Was passiert bei der TVT / TVT-O-Operation?

Die TVT-Methode wurde 1995 von dem schwedischen Frauenarzt Prof. Ulf Ulmsten vorgestellt. Dabei steht TVT für "Tension Free Vaginal Tape" - ein spannungsfrei eingebrachtes, synthetisches Band, das die Harnröhre im mittleren Bereich stützt, so dass sie in Belastungssituationen gegen dieses Band gepresst wird, sich verschließt und so ein ungewollter Urinabgang verhindert wird.
Bei der Abwandlung TVT-O verläuft das Band nicht durch den Raum hinter dem Schambein sondern durch ein Knochenfenster im kleinen Becken der Frau. Der Vorteil der TVT-O-Methode besteht darin, dass das Blasenverletzungsrisiko währen der Operation nicht gegeben ist. Eigene Untersuchungen haben gezeigt, dass das Band nicht in den Raum hinter dem Schambein eindringt. Diese Methode eignet sich insbesondere für Frauen, die in diesem Bereich schon voroperiert sind.

Was versteht man unter einer Beckenbodensenkung?

Das Tiefertreten der Gebärmutter und/ oder der Scheide innerhalb des Beckens wird als Senkung (Deszensus) bezeichnet. Wenn die Gebärmutter und/oder die Scheide teilweise oder ganz vor den Scheideneingang treten spricht man von Prolaps. Eine bruchartige Vorwölbung der vorderen Scheidenwand unter Einbeziehung der Blase nennt man Cystocele. Als Rektozele bezeichnet man die bruchartige Vorwölbung der hinteren Scheidenwand unter Einbeziehung des Enddarmes.Nach Entfernung der Gebärmutter kann sich der Scheidendom senken was einen so genannten Scheidenblindsackprolaps zur Folge hat.

Welche Beschwerden verursacht eine Beckenbodensenkung?

Die Beschwerden sind abhängig von der Art und dem Ausmaß der Senkung und bestehen in: Druckgefühl nach unten sowie ziehenden Schmerzen im Unterbauch, in der Leisten- und Kreuzgegend. Die Beschwerden nehmen im Laufe des Tages zu und bessern sich in Ruhe. Die Blasenbeschwerden als Folge der Blasensenkung umfassen: erschwerte Entleerung der Blase bis hin zum Harnverhalt aber auch häufigen Harndrang begleitet von Urinverlust (Dranginkontinenz) und/ oder ungewollten Urinabgang bei körperlicher Belastung (Belastungsinkontinenz). Als Folge der Senkung des Enddarmes können Stuhlentleerungsstörungen auftreten. Der ungenügende Scheidenverschluß begünstigt Entzündungen vergesellschaftet mit Ausfluss. Durch den ständigen Kontakt der gesenkten Gebärmutter und/ oder der Scheide mit der Wäsche können sich im Bereich der Kontaktflächen Geschwüre bilden.

Wie wird behandelt?

In einzelnen Fällen können zur Behandlung die Stärkung der Muskulatur mit Beckenbodengymnastik oder/ und das Einsetzen eines Pessars in Kombination mit einer örtlichen hormonellen Behandlung Abhilfe schaffen. Eine Gewichtsabnahme ist bei Übergewicht sinnvoll.

Je nach Art der vorliegenden Senkung wird wie folgt operiert:

Eine Cystocele wird mittels einer Raffung der vorderen Scheidenwand (Vordere Kolporrhaphie) therapiert sofern ein zentraler Defekt im Bereich der vorderen Scheidenwand vorliegt und mittels einer paravaginalen Kolpopexie dann wenn die Cystocele auf einen Abriß der seitlichen Scheidenwand von der Beckenwand zurückzuführen ist.

Die bruchsackartige Vorwölbung der hinteren Scheidenwand (Rektocele) wir mit einer Raffung der hinteren Scheidenwand (Hintere Kolporrhaphie) behoben.

Bei Senkungen des Scheidendoms kann dieser mit Hilfe eines Implantats im Bereich der Kreuzbeinhöhle (Kolposakropexie) suspendiert oder an einer bandähnlichen Struktur im kleinen Becken (Vaginaefixatio sacrospinalis) befestigt werden.

Bei der Kolposakropexie werden die Bänder die die Scheide im kleinen Becken stabilisieren und bei der Scheidensenkung überdehnt und nicht mehr funktionstüchtig sind durch zwei Implantatstreifen erneuert. Der Eingriff erfolgt vorwiegend minimal-invasiv über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Eine Besonderheit unseres Hauses besteht darin, dass der Eingriff nervenschonend erfolgt. Unseren eigenen wissenschaftlichen Arbeiten zufolge ist der Erhalt der feinen Nervenfasern im Operationsgebiet möglich.

Die beschriebenen Operationstechniken können in besonderen Situationen auch unter Erhalt der Gebärmutter erfolgen.

Ist das körpereigene Gewebe sehr geschwächt bzw. handelt es sich um eine an gleicher Stelle im Beckenboden wiederholt aufgetretene Senkung so kann die "Bruchpforte" im Bereich des Beckenbodens mit Hilfe eines Implantats von der Scheide aus verschlossen werden. Während biologische Implantate vom Körper abgebaut werden verbleiben die Synthetischen. Zum Beispiel fördert das aus Prolenefäden bestehende synthetische Netz/ Implantat die Bildung von Bindegewebe das in die Netzporen einwächst und den Beckenboden dadurch wieder stabilisiert.

Wie hilft ein Implantat/ Netz bei einer Beckenbodensenkung?

Zur Beckenbodensenkung kommt es, wenn die Scheide und Gebärmutter stabilisierenden Strukturen versagen. Netze bestehen aus einem synthetischen, nicht vom Körper abbaubaren und elastischen Faden. Dieses verstärken das Gewebe bzw. fängen die nach unten sinkenden Organe auf und geben ihnen damit neuen Halt. Diese junge minimal-invasive Operation bietet gleich eine ganze Reihe von Vorteilen: keine Bauchoperation, vergrößerte Auflagefläche für die Organe innerhalb des Beckenbodens, deutlich verbesserte Stabilisierung, Erhaltung der Fähigkeit weiterhin Geschlechtsverkehr zu haben, weil alle Organe und ihre Funktionen erhalten bleiben können, eine sehr hohe langfristige und vollständige Heilungsrate von etwa 95 Prozent bei minimalem Komplikationsrisiko sowie eine sofortige Erfolgskontrolle und schnelle Rückkehr in ein besseres Leben.

Wenn scheidenerhaltende Operationsmöglichkeiten zur Behebung der Beckenbodensenkung keine Therapieoption darstellen, so bieten wir eine sehr erfolgreiche Operationsmethode in eigener Technik an die mit einem Scheidenteilverschluss einhergeht (Partielle Kolpokleisis).