Sie leiden dauernd oder immer wieder an chronischen Schmerzen im Unterbauch? Ihr Arzt findet keine plausible Ursache oder hat Verwachsungen (AdhÀsionen) im Verdacht? Eventuell sind Sie sogar schon mehrfach wegen Verwachsungen operiert worden und Ihre Schmerzen sind trotzdem immer wieder gekommen?
Wie dem auch sei, Sei möchten Ihre Schmerzen loswerden und endlich wieder ein unbeschwerteres Leben fĂŒhren. FĂŒr weitere Fragen steht Ihnen gerne Ihr Team an der Frauenklinik TĂŒbingen zur VerfĂŒgung.
Was sind Verwachsungen?
Verwachsungen (AdhĂ€sionen) sind GewebsbrĂŒcken im Bauchraum, die Organe unter sich oder mit der Bauchwand an Stellen verbinden, die normalerweise unverbunden sind. Sie schrĂ€nken damit die notwendige Beweglichkeit der Organe (z.B. des Darmes) ein.
Verwachsungen bilden sich nach Verletzungen und EntzĂŒndungen des Bauchfells, einer sehr dĂŒnnen Membran, die die gesamte Bauchhöhle n ach innen auskleidet und auch alle Organe innerhalb des Bauches fast vollstĂ€ndig ĂŒberzieht. Die Ursache von Verwachsungen sind meist Operationen. Sie können aber auch nach entzĂŒndlichen Erkrankungen entstehen, wie z.B. im Rahmen von gutartigen Wucherungen der GebĂ€rmutterschleimhaut (Endometriose), Eierstock- oder EileiterentzĂŒndungen.
Wie entstehen Verwachsungen?
Ist das Bauchfell verletzt oder durch eine EntzĂŒndung geschĂ€digt werden, setzt ein Heilungsprozess wie bei einer normalen Wundheilung der Haut ein.
Es bildet sich ein klebriger Belag (Fibrin), der die geschĂ€digte Stelle abdeckte und bis zur Abheilung schĂŒtzt.
Da das Bauchfell alle Organe ĂŒberzieht und es keinen Hohlraum im Bauch gibt, liegen sich benachbarte Bauchfellmembranen innerhalb der Bauchhöhle nur durch einen sehr dĂŒnnen FlĂŒssigkeitsfilm getrennt eng gegenĂŒber. Dieser Spalt kann an beschĂ€digend Stellen des Bauchfells durch die Fibrinbildung sehr leicht verkleben.
Normalerweise erneuert sich die beschĂ€digte Membran sehr schnell und das Fibrin wird innerhalb von wenigen Tagen wieder abgebaut und damit die Verklebung beseitigt. HĂ€ufig ist jedoch der Ab bau verzögert, vor allem nach Operationen. Dies fĂŒhrt dazu, dass in die Verklebung Bindegewebszellen einwandern und sie in einen dauerhafte und feste GewebebrĂŒcke umwandeln. Die kritische Zeit dafĂŒr sind 4-5 Tage nach einer Operation. Im spĂ€teren Verlauf können sich die AdhĂ€sionen, die zunĂ€chst dĂŒnn und schleierförmig sind, in dichte, z.T. mit BlutgefĂ€Ăen und Nerven versehene GewebebĂ€nder umwandeln.
Die Ursache fĂŒr die Verzögerung im Fibrinabbau nach Operationen ist nicht genau bekannt. Offensichtlich gibt es auch individuelle Unterschiede in der Neigung Zur AdhĂ€sionsausbildung.
So kommt es zu Verwachsungen:
1. WÀhrend einer Operation kann das Bauchfell durch Schnitt, Druck, Austrockung und weitere Faktoren beschÀdigt werden.
2. An der geschĂ€digten Stelle setzen EntzĂŒndungsreaktionen und Gerinnungsprozesse ein. Zum Schutz wird Fibrin aufgelagert.
3. Die Fibrinmasse kann mit dem gegenĂŒber erliegenden Gewebe verkleben und eine BrĂŒcke bilden. Die BrĂŒcke kann vollstĂ€ndig oder nur teilweise innerhalb von 3-5 Tagen nach der Operation abgebaut werden.
4. Ist der Abbau verzögert, so wandern Bindegewebszellen in die FibrinbrĂŒcke ein und verwandeln sie in dauerhaftes Gewebe, d.h. in AdhĂ€sionen.
Wo entstehen Verwachsungen?
Verwachsungen entstehen nach fast allen Operationen im Bauchraum. Sie lassen sich auch bei der sog. SchlĂŒsselloch-Technik (Laparoskopie) nicht vermeiden, obwohl hier die Gebeverletzungen geringer sind. Zur SchĂ€digung der Buchfellmembran genĂŒgen schon leichte BerĂŒhrungen oder Druck, eine geringe Austrocknung oder auch Verschleppung von WundflĂŒssigkeit in Bauchabschnitte, die von der Operation gar nicht direkt betroffen sind. Verwachsungen können daher nicht nur im eigentlichen Operationsgebiet entstehen, sondern auch in weiter entfernten Bauchregionen.
Welche Auswirkungen können Verwachsungen haben?
Die meisten Verwachsungen sind harmlos und beeintrÀchtigen das Wohlbefinden nicht. Sei können aber auch schwerwiegende Folgen haben, die sich manchmal erst Jahrzehnte nach einer Operation bemerkbar machen.
Im schlimmsten Fall kann sich eine Darmschlinge, die ja immer in Bewegung ist, so unglĂŒcklich in einem Verwachsungsstrang verheddern, dass es zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss kommt.
Im gynĂ€kologischen Bereich sind die hĂ€ufigsten Folgen von Verwachsungen Unfruchtbarkeit und chronische Schmerzen im Unterbauch. Schon kleinste Verwachsungen im Bereich des Eierstocks und des Eileiters können zu einer Verschiebung in der natĂŒrlichen Lage fĂŒhren, sodass der Eitransport blockiert ist und eine Befruchtung verhindert wird. Es wird geschĂ€tzt, dass 20-40 % der FĂ€lle der sekundĂ€ren Unfruchtbarkeit bei Frauen auf AdhĂ€sionen zurĂŒckzufĂŒhren sind.
Mögliche Auswirkungen von Verwachungen
- Unfruchtbarkeit
- Chronische Schmerzen
- Darmverschluss
Chronisch Unterbauchschmerzen treten hÀufig ? jedoch nicht immer ? zusammen mit Verwachsungen auf und das Lösen der Verwachsungen bringt in vielen FÀllen ? jedoch nicht immer ?zumindest zeitweise eine Erleichterung.
Die Ursache fĂŒr den Schmerz scheint die verminderte Beweglichkeit der von Verwachsungen betroffenen Organe zu sein. Der Zug eines Vewachsungsbandes an einem mit Nerven ausgestatteten, sehr auf stĂ€ndige Beweglichkeit und Ausdehnung angelegten Organ, wie z.B. Darmschlingen oder Harnblase, kann ohne Zweifel Schmerz verursachen. Chronische Schmerzen können, wie Sie vielleicht aus eigener Erfahrung wissen, die LebensqualitĂ€t ganz erheblich beeintrĂ€chtigen und psychische und soziale Folgen haben.
Wie hÀufig sind chronische Unterbauchbeschwerden?
Sie stehen nicht allein mit Ihrem Problem. Es wird geschÀtzt, dass fast 15% aller Frauen zwischen 18 und 55 Jahren an chronischen Unterbauchschmerzen leiden.
FĂŒr Deutschland ergibt sich daraus eine Zahl von drei Millionen Betroffenen. Als hĂ€ufigste Ursachen gelten unter anderem AhdĂ€sionen, Endometriose und Myome (gutartige Tumore) in der GebĂ€rmutter.
Wie können Schmerzen durch Verwachsungen behandelt werden?
Sind alle Möglichkeiten der Diagnostik ausgeschöpft und wurden keine anderen Ursachen fĂŒr die Schmerzen gefunden, so sollten AdhĂ€sionen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.
Die einzige Möglichkeit, AdhĂ€sionen festzustellen und zu beseitigen ist ein operativer Eingriff. Dieser löst sich zumeist mit der SchlĂŒssellochtechnik durchfĂŒhren. Die AdhĂ€sionen werden durchtrennt (AdhĂ€siolyse) und evt. Bestehende BlutgefĂ€Ăe in den StrĂ€ngen verödet. Das Problem ist, dass sich durchtrennte AdhĂ€sionen trotz sorgfĂ€ltigster OP-Technik wiederbilden können, da die WundflĂ€chen wiederum Ansatzstellen fĂŒr die Ausbildung von neuen Verwachsungen darstellen. Dies ist eine ErklĂ€rung dafĂŒr, dass eine AdhĂ€siolyse nicht immer oder nur fĂŒr einen gewissen Zeit eine Erleichterung der Schmerzen bewirkt.
Seit einiger Zeit gibt es die so genannten AdhĂ€sionsbarrieren, die eine zusĂ€tzliche Trennschicht zwischen den Bauchfellabdeckungen der Bauchwand und der Organe bilden und somit die Verklebungs- und Verwachsungsgefahr herabsetzt. Es gibt feste und flĂŒssige AdhĂ€sionsbarrieren.
Feste AdhĂ€sionsbarrieren sind Membranen, die wĂ€hrende der Operation auf die HauptwundflĂ€che aufgebracht werden und dort verbleiben, so dass das Verwachungsrisiko gezielt an der abgedeckten Stelle reduziert wird. Alle beschĂ€digten Stellen können dadurch oftmals jedoch nicht geschĂŒtzt werden.
FlĂŒssige AdhĂ€sionsbarrieren verteilen sich im gesamten Bauchraum und erhöhen den Abstand zwischen den Bauchfellabdeckungen der Organe und der Bauchwand. Das Verwachungsrisiko wird daher nicht nur an einer bestimmten Stelle geringer, sonder im gesamten Bauchraum. FlĂŒssige AdhĂ€sionshemmer werden am Ende einer Operation in die Bauchhöhle eingebracht und verbleiben dort ĂŒber die kritische Zeit der AdhĂ€sionsbildung (4-5 Tage).