Ratgeber Blasenschwäche:

Therapie

Es gibt heute eine Vielzahl von Therapieformen. Daher können Sie sicher sein, die auf Ihre individuelle Situation optimal passende Möglichkeit zu finden. Es finden sich hier operative Therapien, medikamentöse Therapie sowie Beckenbodentraining. Darüber hinaus Elektrostimulation, Biofeedback, Pessartherapie sowie Trink-/Miktionstraining.

Operation

Belastungsinkontinenz kann verschiedene Ursachen haben und entsprechend unterschiedlich therapiert werden. In vielen Fällen wird eine Suspensions-Operation oder eine TVT- oder TVT-O-Operation erforderlich sein.
In anderen Fällen kann die Belastungsinkontinenz mit einer Beckenbodensenkung bzw. einem Prolaps einhergehen. Hier hat sich neben den herkömmlichen Therapien der Beckenbodensenkung in kürzester Zeit das erst 2005 in Deutschland eingeführte Prolift®-System durchgesetzt.

Um was geht es bei einer Kolposuspension?

Bei einer Kolposuspensionsoperation wird das Gewebe, das den Blasenhals umgibt, mit Hilfe von Fäden an einem Ligament hinter dem Schambein aufgehängt. Das erschlaffte Gewebe hat damit wieder eine dauerhaft stützende Funktion - zumal sich die Fäden nicht auflösen. Nach zahlreichen Abwandlungen dieser Operation gewinnt in jüngster Zeit die TVT-O-Methode an Bedeutung.
Die Kolposuspension weist beeindruckende Heilungserfolge auf (80-95 Prozent bei Erstoperierten), ist kaum mit Komplikationen verbunden, kann als Einzeltherapie oder in Verbindung mit anderen Therapien eingesetzt werden und ist dank minimal-invasiver Technik nur mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt verbunden.

Was passiert bei der TVT / TVT-O-Operation?

Die TVT-Methode wurde 1995 von dem schwedischen Frauenarzt Prof. Ulf Ulmsten vorgestellt. Dabei steht TVT für "Tension Free Vaginal Tape" - ein spannungsfrei eingebrachtes, synthetisches Band, das die Harnröhre im mittleren Bereich stützt, so dass sie in Belastungssituationen gegen dieses Band gepresst wird, sich verschließt und so ein ungewollter Urinabgang verhindert wird.
Bei der Abwandlung TVT-O verläuft das Band nicht durch den Raum hinter dem Schambein sondern durch ein Knochenfenster im kleinen Becken der Frau. Der Vorteil der TVT-O-Methode besteht darin, dass das Blasenverletzungsrisiko während der Operation nicht gegeben ist. Eigene Untersuchungen haben gezeigt, dass das Band nicht in den Raum hinter dem Schambein eindringt. Diese Methode eignet sich insbesondere für Frauen, die in diesem Bereich schon voroperiert sind.

Was versteht man unter einer Beckenbodensenkung?

Das Tiefertreten der Gebärmutter und/oder der Scheide innerhalb des Beckens wird als Senkung (Deszensus) bezeichnet. Wenn die Gebärmutter und/oder die Scheide teilweise oder ganz vor den Scheideneingang treten spricht man von Prolaps.
Dabei wird zwischen Zystozele und Rektozele unterschieden. Als Zystozele wird die bruchartige Vorwölbung der vorderen Scheidenwand einschließlich der Blase bezeichnet. Eine Rektozele meint demgegenüber die bruchartige Vorwölbung der hinteren Scheidenwand unter Einbeziehung des Enddarms.
Nach Entfernung der Gebärmutter kann sich der Scheidendom senken, was einen so genannten Scheidenblindsackprolaps zur Folge hat.

Welche Beschwerden verursacht eine Beckenbodensenkung?

Die Beschwerden sind abhängig von der Art und dem Ausmaß der Senkung. Typisch sind ein Druckgefühl nach unten sowie ziehende Schmerzen im Unterbauch, in der Leisten- und Kreuzgegend.
Die Beschwerden nehmen im Laufe des Tages zu und bessern sich bei Ruhe. Zu den Blasenbeschwerden als Folge der Blasensenkung gehören: erschwerte Entleerung der Blase bis hin zum Harnverhalt, aber auch häufiger Harndrang begleitet von Urinverlust (Dranginkontinenz) und/oder ungewollter Urinabgang bei körperlicher Belastung (Belastungsinkontinenz).
Als Folge der Senkung des Enddarms können Stuhlentleerungsstörungen auftreten. Verschließt die Scheide ungenügend, werden Entzündungen begünstigt - meist kommt es dabei auch zu Ausfluss . Durch den ständigen Kontakt der gesenkten Gebärmutter und/oder Scheide mit der Wäsche können sich an den Kontaktflächen Geschwüre bilden.

Wie wird eine Beckenbodensenkung behandelt?

In einzelnen Fällen kann die Stärkung der Muskulatur mit Beckenbodengymnastik oder/und das Einsetzen eines Pessars in Kombination mit einer örtlichen hormonellen Behandlung Abhilfe schaffen. Eine Gewichtsabnahme ist bei Übergewicht sinnvoll. Je nach Art der Senkung wird anders operiert:
Eine Zystozele wird mittels einer Raffung der vorderen Scheidenwand (Vordere Kolporrhaphie) therapiert, sofern ein zentraler Defekt im Bereich der vorderen Scheidenwand vorliegt und mittels einer paravaginalen Kolpopexie dann wenn die Zystozele auf einen Abriss der seitlichen Scheidenwand von der Beckenwand zurückzuführen ist.

Die Vorwölbung der hinteren Scheidenwand (Rektozele) wird mit einer Raffung der hinteren Scheidenwand (Hintere Kolporrhaphie) behoben.
Bei Senkungen des Scheidendoms kann dieser mit Hilfe eines Implantats im Bereich der Kreuzbeinhöhle (Kolposakropexie) aufgehängt oder an einer bandähnlichen Struktur im kleinen Becken befestigt werden.

Die beschriebenen Operationstechniken können in einigen Fällen ohne die Entfernung der Gebärmutter durchgeführt werden.
Ist das körpereigene Gewebe sehr geschwächt bzw. handelt es sich um eine an gleicher Stelle im Beckenboden wiederholt aufgetretene Senkung so kann die "Bruchpforte" mit Hilfe eines Implantats verschlossen werden. Während biologische Implantate vom Körper abgebaut werden, sorgensynthetische für dauerhaften Halt. Zum Beispiel fördert das aus Prolenefäden bestehende synthetische Prolift® Implantat die Bildung von Bindegewebe, das in die Netzporen einwächst und den Beckenboden dadurch wieder stabilisiert.

Wie hilft Prolift® bei einer Beckenbodensenkung?

Zur Beckenbodensenkung kommt es, wenn die Scheide und Gebärmutter stabilisierenden Strukturen versagen. Prolift® ist ein Netz aus einem synthetischen, nicht vom Körper abbaubaren und elastischen Faden. Dieses Netz verstärkt das Gewebe bzw. fängt die nach unten sinkenden Organe auf und gibt ihnen damit neuen Halt.
Diese junge minimal-invasive Operation bietet gleich eine ganze Reihe von Vorteilen: keine Bauchoperation, vergrößerte Auflagefläche für die Organe innerhalb des Beckenbodens, deutlich verbesserte Stabilisierung, Erhaltung der Fähigkeit weiterhin Geschlechtsverkehr zu haben, weil alle Organe und ihre Funktionen erhalten bleiben können, eine sehr hohe langfristige und vollständige Heilungsrate von etwa 95 Prozent bei minimalem Komplikationsrisiko sowie eine sofortige Erfolgskontrolle und schnelle Rückkehr in ein besseres Leben.

Medikamente

Mit Yentreve® steht ein Medikament zur Verfügung, dass auf Basis des Wirkstoffes Duloxetin dafür sorgt, dass sich die Harnröhre unter Belastung besser verschließt.

Auch wenn das Medikament keinen chirurgischen Eingriff ersetzen kann, verschafft es Patientinnen mit mittlerer bis schwerer Belastungsinkontinenz eine deutlich höhere Lebensqualität: die Inkontinenz nimmt um ca. 50 Prozent ab. Allerdings kann es zu Nebenwirkungen wie vorübergehender Übelkeit, Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit und einem trockenen Mund kommen.

Elektrostimulation

Hier werden die für Ihre Beckenbodenfunktionen wichtigen Muskeln mit leichten elektrischen Impulsen gereizt. Dadurch ziehen sie sich zusammen, während Ihre Blasenmuskulatur gleichzeitig entspannt. Die Impulse sind dabei selbstverständlich absolut unbedenklich.

Biofeedback-Training

Hier geht es um bewusstes Anspannen und Entspannen Ihres Beckenbodens. Dazu werden Ihre Körperfunktionen gemessen und dann in Töne oder Lichteffekte übersetzt. Diese Übersetzungen erhalten Sie als Feedback zurück und erlernen es, dieses Feedback zu beeinflussen ? um die Töne und Lichteffekte möglichst angenehm zu machen. Und das heißt nichts anderes, als die Messwerte Ihrer Körperfunktionen zu verbessern.

Pessartherapie

Pessare sind Einlagen aus Silikon. Sie werden in die Scheide eingeführt, dort je nach Art des Pessars unterschiedlich verankert und dienen dazu, den Übergangswinkel von der Blase zur Harnröhre so zu verändern, dass kein Urin ungewollt in die Harnröhre gelangen kann und der Miktionsreflex damit verhindert wird. Ein Pessar muss täglich herausgenommen und gereinigt werden. Pessare können zusammen mit anderen Therapiemaßnahmen Blasenschwäche, Belastungsinkontinenz, Beschwerden in Zusammenhang mit Beckenbodensenkungen, Narben und Geschlechtsverkehr, aber auch Reizzustände und Dranginkontinenz bessern, beheben, manchmal sogar heilen.

Trink- und Miktionstraining

Sie können Ihre Blase trainieren, um eine Blasenschwäche vorzubeugen bzw. zu reduzieren. Versuchen Sie, gleichmäßig viel zu trinken, aber die Abstände zwischen den Toilettengängen zu vergrößern. Auf diese Weise erhöhen Sie das Fassungsvermögen Ihrer Blase und haben zugleich Einfluss auf die Menge des abgegebenen Urins - auf die so genannten Miktionen. Die Entwicklung Ihrer Miktionen halten Sie im Rahmen eines Miktionstagebuchs fest, sodass Sie verfolgen können, ob Ihr Training erfolgreich ist.

Beckenbodentraining

Belastungsinkontinenz geht einher mit einer erschlafften Beckenbodenmuskulatur. Diese kann durch spezielles Training gestärkt werden. Die Übungen sollten Sie unbedingt unter persönlicher Anleitung eines fachkundigen Therapeuten durchführen. Mithilfe eines fachgerechten Training können Sie einer Blasenschwäche entgegenwirken.