Sprecher: Prof. Wallwiener / Prof. Riess
Stellvertretender Sprecher: Prof. Fehm
Koordination: Dr. Bosse / OA Dr. Duffke
Etwa 5-10% aller Brust- und Eierstockskrebserkrankungen sind auf erbliche Faktoren zurückzuführen. Wesentliche Kennzeichen sind eine Häufung von Erkrankten in einer Familie, ein frühes Erkrankungsalter sowie bis zu 50 % Zweittumoren sowohl in der Brust als auch in den Eierstöcken.
Am Universitäts-Brustzentrum Tübingen können sich Frauen und Familien bereits seit 5 Jahren zum familiären Brust- und Eierstockskrebsrisiko beraten lassen. Seit 2 Jahren besteht mit der Gründung des Zentrums für Gynäkologische Onkologie ein expliziter Zugang auch für Patientinnen mit Ovarialkarzinom. Jetzt wurde das Zentrum offiziell als eines der Mitgliedszentren des Konsortiums familiärer Brust- und Eierstockkrebs anerkannt. Die für die Betreuung der ratsuchenden Patientin und ihrer Familien zuständigen Kooperationspartner sind alle am CCC-Tumorzentrum Tübingen vertreten (Abb.1)

Zugang zum Zentrum
Jede Patientin, die sich bei uns einer Brustkrebsbehandlung oder gynäkoonkologische Behandlung unterzieht oder auch zur Nachsorge oder Zweitmeinung vorstellt, wird auch zu ihrer Familienanamnese befragt. Im Jahr 2009 haben sich am Brustzentrum 1700 Patientinnen mit Brustkrebs und am ZGynO 192 Patientinnen zu Therapie, Zweitmeinung oder Nachsorge vorgestellt. Bei einer Konstellation, die auf ein relevantes BRCA-Mutationsrisiko schließen, wird ihr die Option einer genetischen Beratung für sie und ihre Familie erläutert (Tab.1).
Tab.1: Indikationen zur humangenetischen Beratung basierend auf den Empfehlungen des deutschen Konsortiums für Familiären Brust-und Eierstockkrebs
Wer sollte humangenetisch beraten werden: |
Familien mit (je aus einer Familienseite): |
• mindestens drei an Brustkrebs erkrankten Frauen unabhängig vom Alter |
• mindestens zwei an Brustkrebs erkrankten Frauen, von denen eine vor dem 51. Lebensjahr (LJ) erkrankt ist |
• mindestens einer Brust- und einer an Eierstockkrebs erkrankten Frau |
• mindestens einer an Brust- und Eierstockkrebs erkrankten Frau |
• mindestens zwei an Eierstockkrebs erkrankten Frauen |
• mindestens einer an beidseitigem Brustkrebs erkrankten Frau mit einem Ersterkrankungsalter vor dem 51. LJ |
• mindestens eine an Brustkrebs erkrankte Frau vor dem 36. LJ |
• mindestens ein an Brustkrebs erkrankter Mann und mindestens ein/e weitere/r Erkrankte/r an Brust-oder Eierstockkrebs |
Die Empfehlung zur genetischen Beratung wird auch im Tumorkonferenzprotokoll und im Arztbrief festgehalten. Natürlich können auch betreuenden Frauen- oder Hausärztinnen ihre Patientinnen zur Beratung und Kriterienprüfung bei Krebserkrankungen in der Familie an das Zentrum überweisen.
Ein Termin zur genetischen Beratung im Haus kann kurzfristig erfolgen (Terminvereinbarung 07071-298-2224). Im Rahmen der Diagnosestellung einer erblichen Konstellation ergibt sich für die betroffenen Frauen und ihre Familien häufig eine Verunsicherung und Destabilisierung. Die gynäkologisch-psychosomatische und psychoonkologische Mitbehandlung der Patientinnen wird über einen etablierten Konsildienst angeboten.
Verfügbare Therapieangebote
In Abhängigkeit vom Ergebnis der genetischen Beratung stehen als Maßnahmen eine intensivierte Früherkennung, vorbeugende Operationen und medikamentöse Therapien zur Verfügung. Alle diese Maßnahmen werden gemäß den Empfehlungen des Konsortiums ausgesprochen und werden am Brustzentrum und am Zentrum für Gynäkologische Onkologie angeboten. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte jeder Zeit an unser Zentrum über unser Call-Center unter der Nummer 07071-298-2224.