Während noch vor 100 Jahren die mittlere Lebenserwartung von Frauen bei ca. 50 lag, beträgt sie heute über 80 Jahre. Nach wie vor hören die Eierstöcke aber etwa im Alter von 50 auf, wichtige Hormone, v.a. Östrogene, zu produzieren. Da demnach erst heute während ca. 30 Jahren Hormonausfallserscheinungen erfolgen können, handelt es sich nicht um "normale" Alterungsprozesse, und entsprechend hat auch die Frage einer Behandlung erst in der heutigen Zeit Bedeutung erlangt.
Das häufigste Symptom am Anfang der sog. "Wechseljahre" sind Schweißausbrüche und Hitzewallungen, häufig verbunden mit Schlafstörungen; bereits durch eine dreimonatige Östrogensubstitution ist Linderung oder völlige Beseitigung in über 90 % möglich.
Alternative Behandlungen wie etwa mit pflanzlichen Präparaten können versucht werden, haben häufig jedoch nur geringe Wirkung.
Besonders bei migräneartigen Beschwerden haben Hormone oft gute Wirkung, trotzdem wird man jedoch eher zuraten, solche Beschwerden durch Abbau von Stress, Umstellung von Ernährung und körperliche Bewegung zu lindern.
Demgegenüber kann die sog. Osteoporose (Knochenschwund) durch diese Maßnahmen allein nur bei einem Teil der Frauen mit erhöhtem Risiko vermieden werden. In ca. 80% spielt bei dieser multifaktoriellen Erkrankung der Östrogenmangel eine wichtige Rolle. Die häufigsten hormonalen Ausfallserscheinungen bei älteren Frauen sind jedoch bestimmte genitale und urologische Beschwerden. Bei vaginalen Beschwerden kann auch eine nur lokale Hormonbehandlung versucht werden, wobei allerdings nicht selten lange Behandlungszeiten notwendig sind.
Neu sind die Erkenntnisse, dass ein langjähriger Hormonausfall auch für bestimmte Hirnerkrankungen wie die Alzheimer Erkrankung mit verantwortlich sein kann. Die Wiederzufuhr von fehlendem Östrogen wirkt präventiv, jedoch nicht bei bereits bestehender Erkrankung. Östrogene werden allerdings dazu bisher kaum eingesetzt, da man weitere Forschungsergebnisse abwarten möchte. Dieses gilt auch für bestimmte Herz/Kreislauf-Erkrankungen, wobei bei rechtzeitiger Hormonsubstitution und Verwendung niedriger Dosierungen trotz der derzeitig wieder heftig geführten Diskussion mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Prävention möglich ist. Sehr aktuell sind die Ergebnisse von über 20 Studien, nach denen Dickdarm-Krebs bei Frauen unter Hormonersatz-Behandlung viel seltener auftritt als ohne diese Substitution.
Nahezu alle Organe besitzen Östrogenrezeptoren, und das körpereigene Östrogen, das z.B. in einer Schwangerschaft vermehrt gebildet wird, hat offensichtlich weitreichende Schutzfunktionen. Trotzdem wird derzeit von dem präventiven Einsatz von Hormonen abgeraten, d.h. es sollte nur behandelt werden, wenn bereits entsprechende Beschwerden vorliegen. Dies ist begründet durch neue Erkenntnisse zu den Risiken. Zwar gibt es keinerlei Hinweise, dass bei Behandlung mit dem körpereigenen Östrogen Brustkrebs ausgelöst werden kann - wenn jedoch bereits Krebszellen vorliegen, können diese bei einer längeren Behandlung stimuliert werden, da Östrogene allgemeine Wachstumshormone sind und auf Brust und Genitalbereich besonders stark wirken. Gleichzeitig wachsen dann aber diese Zellen nicht so aggressiv, weshalb die Prognose signifikant besser als für Frauen ohne frühere Hormonbehandlung ist. Vergleichsweise haben Frauen ohne Hormonbehandlung aber z.B. mit Übergewicht oder hohem Alkoholkonsum ein höheres Brustkrebsrisiko, auch wenn sie nie Hormone erhielten.
Ein Risiko der Behandlung mit Hormonen besteht auch hinsichtlich der Entwicklung von Thrombosen oder von Gallenerkrankungen. Falls bereits ein erhöhtes Risiko besteht, sollte mit möglichst niedrigen Dosen behandelt werden, wie dies z.B. mit Hormonpflastern oder Gelen möglich ist. Dies gilt auch für verschiedene andere vorbestehende internistische Erkrankungen wie Diabetes, Hochdruck oder Lebererkrankungen. Praktisch alle Risiken sowie auch Nebenwirkungen wie Gewichtsanstieg und Ödeme sind dosisabhängig; daher ist heute die erste Regel, mit niedrigen Hormondosen und möglichst mit natürlichem Östrogen zu behandeln. Dabei wird die Östrogenbehandlung im Allgemeinen mit einem Gelbkörperhormon (Gestagen) kombiniert, um ein übermäßiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zu vermeiden. Dies kann - je nach Therapieschema und in Abhängigkeit vom Alter der Frauen - auch nach längerer Blutungsfreiheit wieder zu "menstruellen" Blutungen führen, die jedoch aus medizinischer Sicht nicht unerwünscht sind, da so wie in jungen Jahren eine regelmässige Erneuerung der Gebärmutterschleimhaut gewährleistet ist, solange diese noch proliferationsfähig ist. Dies sollte fachärztlich kontrolliert werden, auch wenn diese Blutungen später ausbleiben, wie überhaupt keine Hormonbehandlung ohne regelmässige gynäkologische Kontrollen erfolgen sollte.
Auch Nervosität, Reizbarkeit, Konzentrationsmangel oder depressive Verstimmungen, Kopfschmerzen bzw. migräneartige Beschwerden lassen sich zum Teil durch Hormone behandeln, v.a. dann, wenn diese in jüngeren Jahren typischerweise vor und zum Zeitpunkt der Periode auftraten.
Leiterin: OÄ Dr. Lawrenz
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