Welche Formen der Ovarialinsuffizienz kennen wir?


Primäre Ovarialinsuffizienz

Hier ist der Follikelvorrat in den Eierstöcken erschöpft und es kann deshalb keine Eizellreifung und keine Hormonproduktion mehr erfolgen. Dies kann entweder angeboren sein (Gonadendysgenesien, Turner Syndrom etc.) oder im Laufe des Lebens durch einen vorzeitigen Untergang von Follikeln erfolgen. Natürlicherweise versiegt der Follikelvorrat zum Zeitpunkt der Wechseljahre etwa um das 50. Lebensjahr. Kommt es vor dem 35. Lebensjahr zur primären Ovarialinsuffizienz spricht man von einem "Klimakterium praecox" das unbedingt abklärungs- und behandlungsbedürftig ist.

Diagnose
Die Diagnose einer primären Ovarialinsuffizienz stellt man durch erhöhte FSH-Werte am Zyklusbeginn.

Therapie
Eine Therapie bei Kinderwunsch ist nicht möglich.


Hyperprolaktinämische Ovarialinsuffizienz

Das Prolaktin ist ein Hormon des Hypophysenvorderlappens, das normalerweise die Milchproduktion in der Stillzeit steuert. Erhöhte Prolaktinspiegel sind häufige Ursachen einer Ovarialinsuffizienz. Ursächlich liegen entweder gutartige Geschwülste der Hirnanhangsdrüse (Prolaktinome), Schilddrüsenunterfunktionen, Medikamenteneinnahmen, Streß oder andere Faktoren zugrunde.

Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch die Bestimmung der Prolaktinwerte im Serum.

Therapie
Die Therapie kann heute auch bei Prolaktinomen in aller Regel medikamentös durchgeführt werden.


Hyperandrogenämische Ovarialinsuffizienz

Hier führen erhöhte Spiegel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zu einer Störung der Follikelreifung. Im Ultraschallbild finden sich häufig "polyzystische Ovarien" mit randständigen kleinen Follikeln mit einer Reifungsstörung. Vergesellschaftet findet man nicht selten auch Störungen des Zuckerstoffwechsels, die später in einen Diabetes mellitus münden können.

Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch die Bestimmung von Testosteron und DHEAS im Serum.

Therapie
Die Therapie kann mit einer antiandrogenen Pille erfolgen. Auch die Therapie der Zuckerstoffwechselstörung mit Tabletten hat sich als Erfolg versprechend im Hinblick auf die Zyklusstörungen erwiesen. Bei Kinderwunsch muss häufig zusätzlich eine Stimulationstherapie der Eierstöcke erfolgen.


Hypothalamische Ovarialinsuffizienz

Hier liegt ein Ausfall der pulsatilen Freisetzung von GnRH aus dem Hypothalamus zugrunde. Ursächlich finden sich häufig Eßstörungen (Anorexie, Bullämie), Streß oder Leistungssport. Hier sind alle bestimmten Hormone am Zyklusanfang in der Regel normal (Ausschlußdiagnose !)

Therapie
Die Therapie sollte das zugrundeliegende Problem angehen. Gleichzeitig sollte eine Substitutionstherapie erfolgen um langfristige Folgen des Östrogenmangels zu vermeiden. Bei Kinderwunsch kann die pulsatile GnRH-Freisetzung durch eine kleine am Körper getragene Mikropumpe nachgeahmt werden, so daß hier unter sehr natürlichen Umständen der Eintritt einer Schwangerschaft möglich ist.





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