Wenn die Regulationsmechanismen der Follikelreifung gestört sind oder wenn der Follikelvorrat in den Eierstöcken (vorzeitig) aufgebraucht ist, resultiert eine "Ovarialinsuffizienz". In ihrer leichtesten Form manifestiert sich diese als Gelbkörperschwäche (Corpus luteum Insuffizienz).
Bei dieser Form kommt es noch zu Eisprüngen, allerdings ist die Qualität des Gelbkörpers und damit die Höhe der Progesteronproduktion in der 2. Zyklushälfte eingeschränkt. Es finden sich häufig Schmierblutungen vor der eigentlichen Menstruationsblutung und viele Frauen klagen über Beschwerden in der 2. Zyklushälfte wie z.B. Brustspannen, depressive Verstimmungen, Wassereinlagerungen o.ä.
Wird die Ovarialinsuffizienz stärker, so kommt es zum Ausbleiben des Eisprungs (Anovulation). Spätestens hier ist eine Empfängnis nicht mehr ohne Therapie möglich. Das Ausbleiben des Eisprungs führt aber auch zum Fehlen der Progesteronproduktion, so dass der Organismus einem dauernden alleinigen Östrogeneinfluss ausgesetzt ist. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, kann es zu Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut mit Dauerblutungen oder der Entwicklung eines Endometriumkarzinoms kommen.
Die schwerste Form der Ovarialinsuffizienz ist schließlich das Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe). Hier findet überhaupt keine Follikelreifung mehr statt und auch die Östrogenproduktion versiegt. In dieser Situation sind langfristig massive Östrogenmangelsymptome zu erwarten, wie z.B. eine Osteoporose mit Schmerzen und Knochenbrüchen, die frühe Zunahme von Herz-Kreislauferkrankungen und auch das Auftreten von klimakterischen Ausfallserscheinungen (Hitzewallungen, Depressionen, Schlafstörungen etc.).
Die Ovarialinsuffizienz ist vor allem bei jüngeren Frauen vor den Wechseljahren eine vielfach unterschätzte und untertherapierte Funktionsstörung, die mittel- bis langfristig zu schweren Erkrankungen führen kann.