Persönliche Kompetenz der einzelnen Kooperationspartner
Das Brustzentrum Tübingen ist das erste Zentrum in Deutschland, an dem nach 3 Jahren eine Rezertifizierung durchgeführt wurde. Dabei wurde das ohne Abweichungen erfolgreich abgeschlossen. ?Im FAB-Bericht wird besonders die persönliche Kompetenz aller Beteiligten gelobt?, sagte Prof. C. Claussen, der Ärztliche Direktor der Klinik für Radiologische Diagnostik und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen auf einem Presse-Workshop1 im Februar 2006. ?Wir hatten uns das Ziel gesetzt, die Qualität am Brustzentrum zu sichern und zu halten, was sich in messbaren Zahlen niederschlagen sollte.? Der aktuelle FAB-Bericht zeige, dass man dieses Ziel erreicht habe. ?Diese Qualität wollen und müssen wir unseren Patientinnen auch weiterhin gewährleisten,? betonte Claussen.
Prof. D. Wallwiener, Präsident der DGS und Direktor der Universitäts-Frauenklinik erläuterte das Qualitätsprinzip durch Kooperation und Interdisziplinarität näher. ?Die interdisziplinäre senologische Tumorkonferenz findet 2-mal wöchentlich unter Beteiligung der erforderlichen Fachrichtungen statt.? Dabei werde individuell für jede Brustkrebspatientin die adjuvante prä- und postoperative Situation vorgestellt und besprochen. ?Therapieempfehlungen werden diskutiert und der jeweiligen Patientin in einem ausführlichen Gespräch erläutert?, sagte Wallwiener. Auf diese Weise hat das Brustzentrum Tübingen in den letzten 3 Jahren eine Rezidivrate von unter 2% erlangt und liegt damit weit unter der von der ISO 9001 geforderten Rate von unter 3,5%. ?Alle Fälle werden offen per Bench-Marketing erfasst, was zu unbestechlichen Zahlen führt?, erläuterte Wallwiener.
Angebot der psychosozialen und psychoonkologischen Betreuung schon beim Erstkontakt
?Das Team für interdisziplinäre Beratung und Begleitung (TIPP) ist für ambulante und stationäre Patientinnen jederzeit erreichbar?, sagte Dr. U. Krainick-Stobel, Koordinatiorin des Brustzentrums Tübingen. Vom TIPP werde schon beim Erstkontakt mit dem Brustzentrum und der Diagnosesicherung ein aktives Leistungsangebot gemacht. ?Diese Betreuung teilen sich in Kooperation die Klinik für Psychosomatik und die Frauenklinik?, fügte dem der Psychoonkologe Dr. A. Marmé hinzu. Im Rahmen einer standardisierten Befragung der Patientinnen zeigte sich, dass 37% betreut werden wollen. Dabei erfasst die Krisenintervention den Zeitpunkt der Diagnose, den präoperativen und den postoperativen Zeitraum. ?Neben der Vernetzung zu Selbsthilfegruppen, bieten Patientinnentage die Möglichkeit andere Betroffene zu treffen und Austausch zu pflegen?, erklärte Marmé.
Das Brustzentrum Tübingen arbeitet eng mit den Niedergelassenen Kollegen zusammen. Dabei umfasst die Kooperation den ständigen Kontakt des Leiters des Brustzentrums mit den jeweiligen einweisenden Kollegen. Zudem werden neidergelassenen Kollegen regelmäßig regionale und Überregionale Fortbildungen angeboten. ?Wir Frauenärzte können unseren Patientinnen mit dem Brustzentrum Tübingen einen kompetenten Partner vermitteln?, sagte Dr. V. Heinecke, Bezirksvorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. Dabei werde die Patientin zur Nachsorge immer vom niedergelassenen Gynäkologen durchgeführt. Diesem stehe der Leiter des Brustkrebszentrums über eine Mobilnummer jederzeit für Rückfragen zur Verfügung, betonte Heinicke.
Radiologe, Nuklearmediziner, Pathologe und Genetiker bieten schnelle Diagnostik
In allen senologischen Fällen wird zu 100% eine Doppelbefundung durch Radiologen erhoben. ?Fehlen Mammographische Befunde, können diese durch die räumliche Integration der radiologischen Abteilung mit Mammographie und Mamma-Magnet-Resonanz-Tomograph (MRT) in die Frauenklinik noch am selben Tag durchgeführt werden?, sagte Claussen. Vakuum-Biopsieen würden ebenfalls durchgeführt. ?Dabei wird den Patientinnen die kostspielige Biopsienadel als Serviceleistung nicht in Rechnung gestellt?, erklärte Krainick-Strobel.
Auf 150?180 Tumorentitäten prüft der Pathologe dann das Biopsiematerial, erläuterte Prof. B. D. Bültmann, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Pathologie. Das erfordere eine enge und gute Zusammenarbeit mit den Radiologen. ?Die Tumore sollen dann geheilt werden, wenn der Tumor sichtbar aber noch nicht fühlbar ist?, beschrieb Bültmann das langfristige Ziel.
?Innerhalb von 24 Stunden wird am Brustzentrum Tübingen der Hormonrezeptorstatus bestimmt?, sagte Dr. R. Hering, Facharzt für Humangenetik. Bei Verdacht auf eine Hochrisikofamilie erfolgt dann eine ausgiebige Beratung, bei der alle Familienmitglieder getestet werden können. ?Hier müsse man auch an die Männer der Familie denken, die Anlagenträger sein können, ohne selber zu erkranken?, betonte Hering.
Bei Verdacht auf Metastasierung prüfen die Nuklearmediziner mit radioaktiven Markern, angewandt im Rahmen der Wächterlympfknotentechnik (Sentinelverfahren), ob die axillären Lymphknoten von der Erkrankung betroffen sind. ?Diese werden bei Bedarf im Rahmen der lokalen Tumorexstipation entnommen?, sagte Prof. P. Bossart, Geschäftsführender Oberarzt in der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Immunologie.
?Generell vergeht von der Erstkonsultation der Patientin bis zum operativen Eingriff in der Regel eine Woche?, fügte Wallwiener hinzu. Bei unklaren oder verdächtigen Befunden würden aber auch Soforttermine innerhalb von 24 Stunden vergeben. Fast 500 Patientinnen sind im Jahr 2005 von insgesamt 7 Operateuren behandelt worden, die ausschließlich Mammakarzinome operieren.
?Bei 50 000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland stoßen die 100 zertifizierten Brustzentren allerdings an ihre Grenzen, weshalb baldmöglichst auf 200?250 Zentren ausgeweitet werden müsse?, betonte Wallwiener und erläutert weiter: Qualitätssicherung bedeute auch, dass von diesen Patientinnen ein Drittel unter Studienbedingungen therapiert werden müsse. Aus diesem Grunde kooperiere das Brustzentrum Tübingen mit anderen Schwesterbrustkrebszentren und sei zudem in ein Comprehensive Cancer Center (CCC) eingegliedert.
Bericht: Dr. Stefanie Bock, Stuttgart
1 Presse-Workshop ?Erstes Rezertifiziertes Brustzentrum in Deutschland nach DGK/DGS und ISO 9001 ? Durch hohe Qualität das (Über-)Leben von Frauen sichern?, am 16.02.2006 im Brustzentrum der Universitäts-Frauenklinik Tübingen