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Krebs in der Schwangerschaft

Fragen und Antworten - Interview mit Prof. Wallwiener

1.    Allgemeine Informationen über Krebs in der Schwangerschaft:
Bösartige Erkrankungen in der Schwangerschaft sind insgesamt selten, wobei das Mammakarzinom die häufigste bösartige Erkrankung ist, bei Frauen mit einem Alter unter 35 Jahren und damit zahlenmäßig auch in der Schwangerschaft. . Dabei ist die Prognose einer Brustkrebserkrankung in der Schwangerschaft nicht schlechter im Vergleich zu einer Brustkrebserkrankung, die außerhalb der Schwangerschaft auftritt. Zu erwähnen ist allerdings, dass die Diagnosestellung häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erfolgt. Während allerdings nach älteren Studien eine Diagnosestellung mit einer Verzögerung von ca. 6 Monaten folgte, zeigen neuere Studien , dass das Zeitintervall mittlerweile deutlich verringert ist und nur noch 1–2 Monate zur eigentlichen Diagnosestellung häufig verstreichen.

2.    Wie häufig erkranken Schwangere an Krebs/Brustkrebs?
Etwa 2–3 % aller Brustkrebserkrankungen werden in der Schwangerschaft diagnostiziert. Dies resultiert daraus, dass es die häufigste Krebsform bei Frauen unter 35 Jahren ist und 10 % aller Mammakarzinome bei Frauen unter 45 Jahren auftreten. Hinzu kommt, dass eine Alterszunahme der Gebärenden vorliegt. Im Vergleich treten bösartige Eierstockstumoren in einer Häufigkeit von 0,1 / 1.000 auf, eine Leukämie in einer Häufigkeit von 0,1 / 1.000.

3.    Wann muss eine Schwangerschaft abgebrochen werden? Von Krebsart unterschiedlich?
Generell muss eine Schwangerschaft nur bei extrem aggressiven Tumoren unterbrochen werden, z. B. bei fortgeschrittenen Gebärmutterhalserkrankungen oder auch bei bösartigen Eierstockstumoren. Bei Erkrankungen wie Leukämien oder auch andere Erkrankungen im Bereich von Lymphknoten oder Blutkrebs muss häufig zügig mit einer sehr aggressiven Chemotherapie begonnen werden. Auch dann muss eine Beendigung der Schwangerschaft häufig in Erwägung gezogen werden. Damit ist natürlich die Frage eines Schwangerschaftsabbruches von der Krebsart und dem Stadium der Erkrankung abhängig.

4.    Welche Folgen kann der Krebs in der Schwangerschaft für Mutter und Kind haben?
Je nach Krebsart kann durch eine bestehende Schwangerschaft möglicherweise eine erforderliche Krebsbehandlung verzögert werden. Dies betrifft insbesondere Krebserkrankungen, bei denen unverzüglich eine Strahlentherapie erforderlich ist. Da in der Schwangerschaft keine Bestrahlungen durchgeführt werden können, kann dies bedeuten, dass je nach Dringlichkeit, dass eine Frühgeburt in Kauf genommen werden muss. Dies kann mit nachteiligen Folgen für das Kind verbunden sein. Speziell für Brustkrebserkrankungen kann aktuell in jeder Phase der Schwangerschaft eine Behandlung gefunden werden, die der Mutter eine adäquate Therapie ermöglicht und für das Kind nicht schädlich ist.

5.    Kann das Kind durch den Krebs geschädigt werden?
Negative Folgen, direkt durch die Krebserkrankungen auf einer Schwangerschaft bestehen nicht. Da der Mutterkuchen eine natürliche Barriere darstellt, können Krebszellen auch nicht zum Kind übertreten. Durch den Einsatz von krebswirksamen Medikamenten kann das Risiko für eine Frühgeburt erhöht werden oder die Kinder auch etwas untergewichtig zur Welt kommen. Bei einer entsprechend kompetenten Betreuung, allerdings in einem Perinatalzentrum, besteht die Möglichkeit dies rechtzeitig zu erkennen und entsprechend den Geburtstermin zu planen, sodass sich keine negativen Auswirkungen für das Kind zeigen.

6.    Kann sich eine Schwangerschaft vielleicht auch positiv auswirken?
Die Diagnose einer Krebserkrankung in der Schwangerschaft bedeutet eine zusätzliche Belastung. Positive Effekte sind nicht bekannt.

7.    Was bedeutet Krebs in der Schwangerschaft für Familie/Frau/Kind?
Eine Krebsdiagnose in der Schwangerschaft stellt für insbesondere die Mutter, aber auch für den Partner und die Familie, doch eine erhebliche psychische Belastung dar. In der Schwangerschaft geht man von einem gesunden Organismus aus, sodass man in der Schwangerschaft Krebserkrankungen primär nicht vermutet. Muss man sich tatsächlich mit einer Krebserkrankung auseinandersetzen, besteht natürlich in erster Linie immer die Angst, vor einer negativen Beeinflussung des Schwangerschaftsverlaufes und damit einer Schädigung bzw. Beeinträchtigung des Kindes. Da eine bösartige Erkrankung immer von den Betroffenen als Bedrohung gesehen wird, kommt in diesem Falle noch die Angst vor einer Gefährdung der Schwangerschaft und des Kindes hinzu. Dies stellt in jedem Falle eine doppelte Belastung dar und eine maximale Herausforderung, auch für die Umgebung. Neben der Freude auf das Kind kommt gleichzeitig die Angst vor der Erkrankung hinzu. In diesem Falle ist es besonders wichtig die Patientin positiv zu motivierten. In der Regel gestaltet sich bei Brustkrebs die Behandlung in der Schwangerschaft nicht anders wie außerhalb einer Schwangerschaft. Möglicherweise muss die Reihenfolge der einzelnen Behandlungsschritte etwas geändert werden. So sollte eine Chemotherapie nicht im ersten Drittel der Schwangerschaft erfolgen, eine Bestrahlung der Brust während einer Schwangerschaft überhaupt nicht. Auch sollten nur spezielle Chemotherapeutika eingesetzt werden .Die Aufstellung eines Behandlungskonzeptes ist für den erfahrenen Geburtshelfer und Onkologen allerdings kein Problem. Hier muss natürlich individuell ein Behandlungsplan aufgestellt und mit der Patientin besprochen werden.






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