Anfang 2000 geht Erika Christ* zum Gynäkologen - mit dem Gefühl, eine Zyste an der Scheide zu haben. Der Gynäkologe stellt eine Gebärmutter- und Blasensenkung fest. Seine Empfehlung: Gebärmutterentfernung und gleichzeitige Fixierung der Blase. Dann sollen die Beschwerden vorbei sein. Leider tritt das Gegenteil ein. Erst die Operation nach einem neuen Verfahren beendet leidvolle Jahre für Erika Christ.
Komplikationen der ersten Operation unterschätzt
Die Patientin wird am späten Nachmittag operiert. Nach der Operation hat sie auch für das Pflegepersonal unerklärlich starke Schmerzen. Im Laufe des einwöchigen Krankenhausaufenthaltes lassen die Schmerzen nach, doch nach drei Tagen zu Hause hat sie weiterhin starke Schmerzen, erbricht mehrfach und kann nichts essen. Zurück im Krankenhaus führt man das auf Überempfindlichkeit zurück, macht einen Ultraschall, beruhigt und entlässt sie.
Am nächsten Tag sucht die Patientin die chirurgische Abteilung des Krankenhauses auf - zwei Tage später wird Erika Christ erneut operiert.
Im Operationsbericht heißt es später unter anderem: " ... vorderer und mittlerer Dünndarm maximal gestaut, der hintere Dünndarm ist vollständig kollabiert ... Risse im Darm, am Dünndarmende Verwachsungen sowie mehrere Darmschlingen untereinander ...". Erika Christ wird bestätigt. Die Beschwerden rühren von Komplikationen nach der ersten Operation.
Auch zweite Operation behebt Genitalsenkung nicht
Trotz der erneuten Operation hat Erika Christ weiterhin das Gefühl einer Zyste - und die Senkung ist noch immer nicht behoben. Auf Grund der schlechten Erfahrungen lebt Erika Christ die folgenden vier Jahre jedoch mit diesen Beschwerden. Sie arbeitet weiter in der Wäscheverteilung einer Klinik, obwohl das schwere Tragen die Beschwerden verschlimmert.
Dritte Operation endet auf der Intensivstation
Im Februar 2004 liegt sie wieder in der Gynäkologie des Stuttgarter Krankenhauses. Aufgrund der Vorgeschichte operiert der Chefarzt die Kassenpatientin selbst. Die Verwachsungen nach den vorangegangen Operationen werden nicht als Gefahr eingeschätzt ? ein Irrtum, denn die Bauchhöhle kann dem mit parallel zur alten Operationsnarbe geplanten Schnitt nicht geöffnet werden. Zitat aus dem OP-Bericht: "... von hier aus gelingt es nicht, die Bauchhöhle zu öffnen, da massive Verwachsungen zwischen Dünndarm und vorderer Bauchwand vorliegen". Auch der anschließende Längsschnitt macht den Weg zur Bauchhöhle nicht frei. Erst mit dem dritten Schnitt kann das Netz an Scheidenrückwand und Kreuzbein fixiert werden. Später erfährt die Patientin, dass der Gynäkologe einen Chirurgen hinzu gezogen hat, der weitere Dünndarmverwachsungen löst, die Verwachsungen im Oberbauch aber belässt, um einen Darmverschluss zu verhindern.
Am gleichen Tag muss Erika Christ wegen einer Sickerblutung nochmals operiert werden. Sie kommt auf die Intensivstation.
Arzt verweigert weitere Krankschreibung
Als sie wieder aufstehen darf, bereiten ihr das Wasserlassen, Stehen und Laufen starke Schmerzen. Nach acht Wochen fühlt sie sich noch immer nicht in der Lage zu arbeiten, doch der Arzt schreibt sie nicht länger krank. Sie arbeitet wieder stundenweise - bis zum 20. August 2004. Dann sind die Schmerzen zu stark. Ihr Gynäkologe attestiert ihr ein sehr schwaches Bindegewebe.
Wieder geht sie in das gleiche Krankenhaus. Der neue Chefarzt hat einen sehr guten Ruf. Er rät ihr zu einer erneuten Operation mit Zugang über die Scheide, ein Eingriff, den auch er selbst vornehmen möchte. Sie lässt sich einen Termin geben, sucht aber noch einmal die chirurgische Abteilung auf. Der Chirurg empfiehlt ihr, sich eine zweite Meinung in einer Universitätsklinik einzuholen, da er ihre Anamnese kennt.
Kontakt zur Uni-Klinik Tübingen bringt neue Hoffnung
Diesem Rat folgend wird Erika Christ auf Frau Dr. Reisenauer von der Uniklinik Tübingen aufmerksam. Die Ärztin erklärt ihr ein neues Operationsverfahren, für das sie persönlich geschult worden ist und das sie seit Einführung im März 2005 bereits 100 Mal erfolgreich eingesetzt hat: Prolift®. Dieses Verfahren sei schonend, komme mit einem vorübergehend eingeführten Katheter für die Ableitung der Flüssigkeit aus und erfordere nur einen viertägigen Krankenhausaufenthalt.
Vierte Operation bringt endlich die Heilung
Im März 2005 wird Frau Christ dann in Tübingen erneut operiert. "Es ist mir sofort nach der Operation gut gegangen", so die glückliche Patientin. "Ich hatte keine richtigen Schmerzen nach der Operation, eher das Gefühl eines starken Muskelkaters und durfte auch gleich aufstehen."
Erika Christ geht es unverändert gut. Der einzige Wehmutstropfen: Sie kann nicht mehr in ihrer alten Position arbeiten. Aber das trübt den Operationserfolg nicht.
*Name geändert
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