Ratgeber Jugendgynäkologie

Verhütung - Barrieremethoden

Der Klassiker: Das Kondom

Auf Platz 2 der beliebtesten Verhütungsmittel!

Wirkungsweise
Das Kondom legt sich wie eine „Isolierschicht“ um den Penis und verhindert so den direkten Kontakt der Schleimhäute von Frau und Mann. In dem Reservoir an seiner Spitze sammelt sich das Ejakulat mitsamt den Spermien und es kann zu keiner Befruchtung kommen.

Anwendung
Überrollen des Kondoms über den steifen Penis bevor er mit der Scheide in Berührung kommt. Nach dem Samenerguss wird das Kondom mit einer Hand am Schaft des Penis festgehalten und der erschlaffte Penis vorsichtig aus der Scheide herausgezogen.
Eine detaillierte  Schritt- für- Schritt- Anleitung findet sich in jeder Packung.
Das Kondom ist nur einmalig verwendbar.

Sicherheit
Wenn der Vorgang  beherrscht wird liegt eine sehr hohe Sicherheit vor- es gibt jedoch viele Fehlerquellen daher ist etwas Übung ratsam.
Bei begründetem Verdacht auf eine stattgehabte Befruchtung (z.B. beim Verrutschen des Kondoms beim Herausziehen aus der Scheide) gibt es die Möglichkeit sich mit der „Pille danach“ durch die/den  Frauenärztin/-arzt vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Dieses Vorgehen ist aber nur eine Alternative für den Notfall!
Der Pearl Index liegt bei 2 bis 12.

Vorteile
Die leichte Anwendung bietet gleichzeitig Schutz  vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie z.B. dem HI Virus. Besonders für Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern ist diese Verhütungsmethode deshalb zu empfehlen.
Ein weiterer Vorteil: Es erfolgt kein Eingriff in das natürliche Körpergeschehen.
Darüber hinaus kann sich der Mann bei dieser Methode aktiv an der Verhütung beteiligen- es ist das im Moment einzige sichere Verhütungsmittel für den Mann.

Nachteile
Einige Menschen empfinden das Kondom als peinlich, unangenehm oder unnatürlich- in einer festen Partnerschaft gibt sich diese anfängliche Unsicherheit aber meist mit der Zeit.

Risiken
Das Kondom kann in seltenen Fällen während des Geschlechtsverkehrs platzen oder verrutschen und somit könnte das Ejakulat doch in die Gebärmutter gelangen.
Auch beim Herausziehen des Penis aus der Scheide nach dem Geschlechtsverkehr kann es leicht zum verrutschen des Kondoms kommen wenn es nicht richtig festgehalten wird.
Bitte beachten sie, dass es bereits vor dem eigentlichen Akt zu einer Befruchtung kommen kann wenn sich der Penis in der Nähe des Scheideneingangs befindet und sich das sog. „Lusttröpfchen“ bei Erregung des Mannes absondert- hierin können schon befruchtungsfähige Spermien enthalten sein, die zu einer Schwangerschaft führen können.

Kontraindikationen
Nicht zusammen mit ölhaltigen Lotionen oder Cremes verwenden- das Kondom kann so porös werden und reißen. Bei Allergien gegen Latex keine herkömmlichen, sondern spezielle Kondome aus Polyurethan verwenden.

Kosten
Die Kosten belaufen sich auf etwa 0,30 Euro- 1,- Euro pro Stück. Polyurethankondome sind mit ca.5 Euro pro Stück relativ teuer.

Etwas gewöhnungsbedürftig: Das Femidom
Als Femidom bezeichnet man das „Kondom für die Frau“. In Deutschland ist es bisher nicht auf dem Markt, kann aber in Apotheken bestellt werden. Bisher hat es nur wenig Verbreitung gefunden.

Wirkungsweise
Ein  Kunststoffschlauch besitzt 2 flexible Ringe- je an einem Ende. Der äußere ist offen- hier kann der Partner eindringen- der innere ist verschlossen, so entspricht das Prinzip dem des Kondoms.

Anwendung
Das Femidom wird innen und außen mit Gleitmittel bestrichen und in die Scheide eingeführt. Der innere Ring wird vor den Muttermund gebracht, der äußere reicht bis nach außen über die großen Schamlippen hinaus- so wird  ein Abrutschen verhindert.
Das Femidom ist nur zum einmaligen Gebrauch bestimmt.

Sicherheit
Die Sicherheit als Barrieremethode entspricht dem des Kondoms, d.h. auch vor Infektionskrankheiten.

Vorteile
Möchte der Mann kein Kondom verwenden kann sich die Frau hier nicht nur vor der Befruchtung sondern vor allem auch vor Infektionskrankheiten schützen.
Darüber hinaus erfolgt kein Eingriff in den natürlichen Körperhaushalt.

Nachteile
Die Anwendung erfordert einige Übung, das Femidom ist recht teuer und der Anblick ist etwas gewöhnungsbedürftig. Es das einzige Verhütungsmittel neben dem Kondom welches man beim Geschlechtsverkehr sieht und spürt.

Risiken
Verrutschen des Femidoms.

Kontraindikationen
Eine bekannte Überempfindlichkeit oder eine Allergie gegen die Inhaltsstoffe stellen Kontraindikationen dar.

Kosten
3 Stück kosten etwa 15 Euro.

Mit etwas Übung durchaus ein Konkurrenzprodukt zum Kondom: Das Diaphragma
Wirkungsweise
Das Diaphragma versperrt den Weg der Spermien zur Gebärmutter indem es sich schützend vor den Muttermund spannt. Durch ein zusätzlich verwendetes Gel oder eine Creme wird nicht nur das Einsetzen erleichtert, sondern es ist eine zusätzliche spermienabtötende Barriere vorhanden.

Anwendung
Die kleine Gummikappe wird von der Frau 1-2 Stunden vor oder direkt vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt und frühestens nach 8 Stunden , spätestens nach 24 Stunden wieder entfernt. Das Einsetzen sollte unbedingt geübt werden. Nach dem Entfernen kann es mit Wasser gereinigt und bis zum nächsten Mal in einer speziellen Schachtel aufgehoben werden. Ein Diaphragma kann bis zu 2 Jahren verwendet werden.

Sicherheit
Das Diaphragma ist so sicher wie das Kondom wenn folgende Punkte gegeben sind: Die Größe muss passen (sie wird von der Frauenärztin/dem Frauenarzt bestimmt) und gut sitzen und das Einsetzen muss exakt erfolgen.
Der Pearl Index liegt bei 1- 20, je nach Übung.

Vorteile
Es erfolgt kein Eingriff in die natürlichen Abläufe des Körpers. Darüber hinaus lernt die Anwenderin ihren eigenen Körper durch den direkten Umgang mit ihm besonders gut kennen.

Nachteile
Die Bereitschaft der Anwenderin sich selber zu untersuchen und somit den eigenen Muttermund sicher zu ertasten sollte da sein- das kann Anfangs etwas befremdlich sein. Auch einige Male das Einsetzen zu üben ist nötig. Manche Paare empfinden die Verhütungsmethode als eine Einschränkung ihrer sexuellen Spontaneität, da das Diaphragma einige Zeit vor dem Sex eingesetzt werden muss.

Risiken
Achtung bei Gewichtsschwankungen über 5 kg oder nach einer Geburt: körperliche Veränderungen können eine Neuanpassung erfordern! Manche Gels oder Cremes brennen am Penis- ein Wechsel des Mittels kann hier jedoch schnelle Abhilfe schaffen.

Kontraindikationen
Frauen mit einer Beckenbodenschwäche sollten das Diaphragma nicht anwenden.

Kosten
Etwa 26 bis 37 Euro plus die Kosten für das Gel oder die Creme.

Die Weiterentwicklung des Diaphragmas: Das Lea contraceptivum

Wirkungsweise
Durch Einbringen der etwa handtellergroßen Kappe in die Scheide vor den Muttermund wird eine für die Spermien unüberwindbares Hindernis geschaffen- gleichzeitig können dank eines  Ventilsystems Gebärmutterschleim oder Menstruationsblut abfließen. Die zusätzliche Anwendung eines Spermientötenden Gels erhöht die Sicherheit.

Anwendung
Die Anwenderin positioniert es vor den Muttermund- die durch das Einbringen verdrängte Luft kann durch das eingebaute Ventil entweichen und es entsteht ein Unterdruck aufgrund dessen sich das Lea contraceptivum an die Scheidenwand ansaugt. Es kann frühestens 8 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr entfernt werden und ist für 6-9 Monate verwendbar.

Sicherheit
Berichten aus der Praxis zufolge als Barrieremethode zuverlässig und mit der Sicherheit des Kondoms oder der des Diaphragmas vergleichbar.
Der Pearl Index liegt bei 2-3.

Vorteile
Hier ist keine individuelle Anpassung durch die Frauenärztin/der Frauenarzt nötig. Das Lea contraceptivum  kann maximal 48 Stunden dank Abflussventil in der Scheide verbleiben was eine höhere Spontaneität gegenüber dem Diaphragma ermöglicht.

Nachteile
Die Größe wird von einigen Frauen als störend empfunden. Darüber hinaus ist es relativ teuer.

Risiken
In sehr seltenen Fällen kann es verrutschen- bei richtiger Anwendung ist dieses Risiko aber äußerst gering.

Kontraindikationen
Nicht mit Cremes oder Schaumpräparaten anwenden- sie können das Material zerstören!

Kosten
46 bis 50 Euro

Die Portiokappe — die Alternative zum Diaphragma für Geübte

Wirkungsweise
Diese fingerhutförmige Kappe bildet eine Barriere für die Spermien.

Anwendung
Die Kappe wird von der Frau direkt über den Muttermund gestülpt wobei ein Gel oder eine Creme hilfreich ist die auch noch einmal eine zusätzliche Sicherheit durch ihre spermienabtötende Wirkung gibt.
Die Anwenderin tastet vor und nach dem Akt den richtigen Sitz der Kappe ab. Der Verbleib nach dem Geschlechtsverkehr in der Scheide muss mindestens 8 Stunden betragen. Die Portiokappe ist wie das Diaphragma für etwa 2 Jahre verwendbar.

Sicherheit
Die Sicherheit als Barrieremethode entspricht etwa der des Diaphragmas. Der Pearl Index liegt bei 6.

Vorteile
Dieselben Vorteile wie die des Diaphragmas, darüber hinaus ist sie auch für Frauen mit Beckenbodenschwäche geeignet.

Nachteile
Die Portiokappe muss mindestens 20 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden, da die Kappe etwas Zeit benötigt um sich am Muttermund festzusaugen- das empfinden manche Paare als Einschränkung  ihrer Spontaneität. Bis der korrekte Sitz auf Anhieb gelingt ist meist viel Übung notwendig.

Risiken
Verrutschgefahr bei unsachgemäßer oder ungeübter Handhabung.

Kontraindikationen
Eine Überempfindlichkeit oder eine Allergie gegen Inhaltsstoffe stellen eine Kontraindikation dar.

Kosten
Etwa 25 Euro für die Portiokappe plus die Kosten für die Creme oder das Gel.

Nicht für jeden geeignet: Der Verhütungsschwamm

Wirkungsweise
Der aus Polyurethanschaum bestehende Verhütungsschwamm ist mit einer spermienabtötenden Substanz durchtränkt.

Anwendung
Der Schwamm wird wie ein Tampon in die Scheide eingeführt, wo er bis zu 24 Stunden verbleiben kann. Je nach Modell kann er schon bis zu zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt werden.

Sicherheit
Pearl-Index beträgt 5-10.

Vorteile
Die Handhabung des Schwamms ist unkompliziert wie die eines Tampons.

Nachteile
Der Schwamm kann erst 6 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr entfernt werden sollte aber spätestens 12 Stunden nach Einbringen wieder entfernt werden. Darüber hinaus kann er nicht während der Regelblutung verwendet werden und auch in der Zeit nach einer Geburt oder einer Fehlgeburt sollte auf andere Methoden der Verhütung ausgewichen werden. Ein Schwamm kann nur einmal verwendet werden.

Risiken
Überempfindlichkeit der Schleimhaut gegen die spermienabtötende Substanz kann zu allergischen Reaktionen und unangenehmen und mitunter schmerzhaften Brennen der Schleimhäute im Genitalbereich bei beiden Partnern führen.

Kontraindikationen
Bekannte Überempfindlichkeit oder eine Allergie gegen die spermienabtötende  Substanz stellen Kontraindikationen dar. Leidet die Patientin gerade unter einer Scheidenentzündung, z.B. durch Pilze, wird der Kontakt der sowieso schon gereizten Schleimhaut mit dem reizenden Gel die Situation meist noch unangenehmer gestalten. In solch einen Fall sollte man auf Verhütungsmethoden, die sich aggressiver Chemikalien bedienen wie eben der Verhütungsschwamm, verzichten. Erst wenn sich die Schleimhaut komplett regeneriert hat ist diese Methode wieder ohne Probleme anzuwenden.

Kosten
Vier Stück kosten um die 10 Euro.