Brustzentrum in Tübingen weist Qualität nach
TÜBINGEN (mm). Durch die Re-Zertifizierung nach ISO 9001 hat das Universitäts- Brustzentrum Tübingen sein Engagement in der Diagnose und Therapie von Frauen mit Brustkrebs bestätigt.
Nach Angaben von OnkoZert, dem zuständigen Zertifizierungsinstitut der Deutschen Krebsgesellschaft, gehört das Brustzentrum hinsichtlich klinischer und wissenschaftlicher Expertise zu den führenden Zentren Deutschlands.
Das Netzwerk in Tübingen sei durch seinen Bekanntheitsgrad, die Kompetenz der Mediziner sowie die Serviceleistung für Patientinnen und niedergelassene Ärzte zu einer führenden Einrichtung in der Region und darüber hinaus in Südwestdeutschland geworden, so OnkoZert.
Die Patientinnen profitierten beispielsweise von der Nähe der Ambulanz des Brustzentrums zur Röntgenabteilung. Dadurch sei es ohne Verzögerung möglich, am gleichen Tag alle radiologischen Untersuchungen sowie, wenn notwendig, eine Kemspintomographie vorzunehmen.
Quelle: Ärzte Zeitung vom 09.03.06
In diesem Jahr werden rund 50000 bis 60000 Frauen an Brustkrebs erkranken. Zirka ein Drittel der betroffenen Frauen wird daran versterben. Damit ist das Mamma-Karzinom die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in der westlichen Welt - Tendenz steigend. Die deutsche Antwort darauf heißt Interdisziplinäres-Zertifiziertes-Brustzentrum. Seit Einführung der Zertifizierung vor drei Jahren werden rund die Hälfte aller Brustkrebspatientinnen dort behandelt und die Erfolge geben dieser Therapieeinrichtung recht.
Die Liste aller zertifizierten Brustzentren findet man unter www.senologie.org oder www.krebsgesellschaft.de
Für eine Frau, die an Brustkrebs erkrankt, ist es von entscheidender Bedeutung, wo sie sich behandeln lässt. ?Nicht die Größe der Einrichtung ist entscheidend, sondern die Spezialisierung auf das Krankheitsbild Brustkrebs?, sagt Professor Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, Leiter des Brustzentrums Tübingen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS). Vor allem in der Behandlung von Brustkrebs hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht.
Bis in das späte 19. Jahrhundert waren sich Mediziner keineswegs klar darüber, wie man Brustkrebs an besten behandelt. Ebenso herrschte keine Einigkeit darüber, wie eine Brustkrebsoperation sinnvoll ablaufen sollte. Die Folgen für die an Brustkrebs erkrankten Frauen waren fatal. Zwar gibt es nur wenige Dokumente aus dieser Zeit, doch aus dem, was bekannt ist, lässt sich schließen, dass die Chance für Krebspatientinnen, fünf Jahre zu überleben, zwischen zehn und 20 Prozent lag ? ohne Operation. Sieben Jahre nach Diagnosestellung lebten von hundert an Brustkrebs erkrankten Frauen damals noch fünf.
Im Jahre 1894 veröffentlichte der New Yorker Chirurg William Halstead die erste Studie über die komplette Brustentfernung bei Tumorpatientinnen. Er hatte bei 50 Frauen, mit weit fortgeschrittener Erkrankung nicht nur die Brustdrüse, sondern auch den darunter liegenden Brustmuskel und die Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt. Knapp die Hälfte der so operierten Frauen war nach drei Jahren noch am Leben, hatte allerdings mit schwerwiegenden Folgen wie Lymphödemen des Arms zu kämpfen. Nach der Operation überlebten 36 Prozent der Frauen die ersten fünf Jahre und zwölf Prozent die ersten zehn Jahre. Dies sind aus heutiger Sicht katastrophale Zahlen. Verglich man also die Ergebnisse in den Überlebensraten der Frauen mit und ohne Operation, so ergab sich kein nennenswerter Unterschied. Die Brustentfernung brachte keinen bedeutenden Fortschritt für die Überlebensraten der betroffenen Frauen. Trotzdem wurde sie ein halbes Jahrhundert lang weltweit durchgeführt.
Der englische Chirurg Patey war einer der Ersten, der herausfand, dass eine weniger radikale Operationstechnik den Patientinnen mindestens die gleiche, wenn nicht sogar eine bessere Überlebenschance bot. Seine Ergebnisse halfen das die modifizierte radikale Mastektomie Einzug in die Brustkrebstherapie hielt, bei welcher die Brustdrüse und die darüber liegende Haut entfernt werden, der Brustmuskel jedoch erhalten bleibt.
Aufgrund von Studien in Italien, Frankreich und den USA, kamen die Mediziner in den 80er Jahren schließlich zu dem Ergebnis, dass eine brusterhaltende Operation in den meisten Fällen ausreicht. Bei dieser Technik wird der Tumor mit einer Sicherheitszone aus gesundem Gewebe entfernt, der gesunde Anteil der Brust bleibt ebenso wie die Haut größtenteils erhalten. In der Brust möglicherweise noch vorhandene, aber nicht sichtbare Krebszellen werden durch eine Bestrahlung nach der Operation ausreichend abgetötet.
Die Geschichte der Brustkrebstherapie zeigt, wie wichtig es ist, das Erreichte immer wieder kritisch zu hinterfragen und nach immer optimaleren Lösungen zu suchen. Es wurde in diesem Bereich viel erreicht, doch die stetig steigenden Brustkrebszahlen lassen erwarten, dass in wenigen Jahren schätzungsweise jede siebte deutsche Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken wird. Damit steht das Mamma-Karzinom nicht nur weiter im Zentrum des klinischwissenschaftlichen Interesses, sondern erfordert auch immer mehr sozioökonomische Konsequenzen im Gesundheitsmanagement. Die Antwort auf diese Entwicklung sind die bereits über 100 zertifizierten Brustzentren, die es bereits in Deutschland gibt und die bereits beinahe die Hälfte aller Brustkrebspatientinnen behandeln.
?50 Prozent aller Brustkrebspatientinnen werden nach qualitätsüberwachten Standards nach dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Forschung behandelt. Doch ebenso werden rund die Hälfte aller Frauen eben nicht nach diesen Erkenntnissen therapiert?, sagt Diethelm Wallwiener, der mit seinem Brustzentrum an der Universitätsfrauenklinik nach drei Jahren erfolgreich rezertifiziert wurde. Der Weg, das begehrte Qualitätsgütesiegel zu erreichen, ist jedoch nicht einfach.
Um überhaupt eine Zertifizierung durch die Fachgesellschaften erreichen zu können, muss eine Klink einiges tun um vom Brustzentrum zum Zertifizierten Brustzentrum zu werden. ?Brustzentrum ist kein geschützter Begriff. Deshalb ist eine Zertifizierung durch eine unabhängige Institution besonders wichtig?, erklärt Professor Diethelm Wallwiener. Nicht überall wo Brustzentrum stehe, sei auch Brustzentrum drin, warnt der Experte. Die Kriterien für das medizinische Gütesiegel wurden von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der DGS entwickelt, überprüft werden diese Kriterien von medizinischen Fachgesellschaften und beispielsweise dem Technischen Überwachungsverein (TÜV). Dabei werden unter anderem technische Spezialisierung, sichere Diagnoseformen, räumliche Nähe aller Fachdisziplinen sowie die Operationszahlen unter die Lupe genommen. 100 Brustkrebsoperationen muss ein Brustzentrum pro Jahr mindestens durchführen, um für die Zertifizierung in Frage zu kommen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein weiterer wichtiger Punkt bei der Beurteilung. Im Tübinger Brustzentrum wird der Fall jeder einzelnen Patientin die operiert werden muss, von den Vertretern aller beteiligten Abteilungen (Gynäkologie, Radiologie, Pathologie, Strahlentherapie und Onkologie) gemeinsam besprochen. Auch sonst legt man in Tübingen viel Wert auf die Vorarbeit. Liegt ein Verdacht auf Brustkrebs vor, wird bei 98 Prozent der Frauen zunächst mithilfe moderner Techniken wie der ambulanten Stanzbiopsie eine Gewebeprobe entnommen, um eine sichere Diagnose stellen zu können. "Bei uns kommt keine Frau im Blindflug in den OP", so Professor Wallwiener. Sei eine Operation nötig, könnten in Tübingen mittlerweile drei Viertel der Frauen brusterhaltend operiert werden.
Um 1.02 Uhr war in Tübingen das erste Neujahrsbaby da
Eigentlich hätte Fiona Cerny schon am 23. Dezember zur Welt kommen sollen. Doch die Tocher von Spressar Cerny aus Nehren ließ sich ein wenig länger Zeit und wurde so zum ersten Baby, das in der Tübinger Uni-Frauenklinik im Jahr 2006 geboren wurde. Herzlichen Glückwunsch wünscht das Team des Mutter-Kind-Zentrums der Frauenklinik.
Exakt 3516 Gramm brachte die Kleine auf die Waage, als sie am gestrigen Neujahrstag um 1.02 Uhr das Licht des Tübinger Kreißsaals erblickte. Für die 28-jährige Mutter ist es nach Ihrem achtjährigen Sohn und der fünf Jahre alten Tochter das dritte Kind.
Wäre es nach Spressar Cerny gegangen, hätte Fiona aber gerne noch im alten Jahr geboren werden dürfen. Schließlich meldete das Sonntagskind sein Kommen noch seit zwei Tagen mit immer stärkerer Macht an.
An Silvester schließlich wurden die Wehen so stark, dass die Nehrenerin um 15.30 Uhr in die Frauenklinik fuhr.
Ansonsten blieb es über den Jahreswechsel ruhig auf der Tübinger Geburtsstation. Das letzte Baby des Jahres 2005 kam am Samstag um 13 Uhr zur Welt. Das zweite 2006er Kind wurde am 1. Januar um 6.30 Uhr geboren.
Quelle: Schwäbisches Tagblatt vom 02.01.06 Autor: uha
Von: Isa Berndt
Quelle: Ärzte Zeitung, 20.12.2005
TÜBINGEN (dpa). Frauen kommen in der medizinischen Forschung nach Expertenansicht zu kurz. Obwohl Frauen- und Männerkörper unterschiedlich reagieren, wird die meiste Forschung an Männern gemacht, sagte der Leiter der Tübinger Frauenklinik, Professor Diethelm Wallwiener, anläßlich der Eröffnung des Instituts für Frauengesundheit.
Das Tübinger Zentrum soll Forschungsprojekte zu Erkrankungen von Frauen anstoßen und deren Gesundheitsvorsorge verbessern. Mediziner sollen sich unter anderem mit der Verbesserung von Brustkrebstherapien beschäftigen. Auch minimalinvasive Operationen zur Behebung von Unterleibsbeschwerden oder Eileiterschwangerschaften sollen weiter erforscht werden, sagte Wallwiener.
Der Professor will Vorbeugungsarbeit speziell für Frauen mit
Herz-Kreislauferkrankungen leisten. Als Vorbild dient ihm dabei das Projekt ?Frauenherzen schlagen anders? der Deutschen Seniorenliga in Bonn. Auch die Osteoporose, von der viele Frauen betroffen sind, soll vorangig behandelt werden.
Die Verhinderung von Teenager-Schwangerschaften soll einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit des Tübinger Instituts bilden. Trotz der vielfältigen, modernen Verhütungsmethoden werde es in diesem Jahr mehr Schwangerschaftsabbrüche von unter 14jährigen geben, als je zuvor, sagte Wallwiener. Das neue Institut werde so genannte ?Flying Doctors? einsetzen, um die ?MTV-Generation? besser aufzuklären.
Das gesammelte Wissen zur Medizin für Frauen stellt das Institut Ärzten und medizinischen Laien auf einer Internetseite zur Verfügung.